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Was ist Kunst?

Veröffentlichung:1.1.2013

Der Fachartikel von Alexander Loichinger mit dem Titel „Was ist Kunst?“ ist im Heft ru heute erschienen und umfasst die Seiten 1 bis 8. Der Beitrag behandelt die Frage nach dem Wesen der Kunst aus philosophischer, evolutionsbiologischer und theologischer Perspektive. Theologisch geht es vor allem um das Verhältnis von Kunst und Offenbarung, um die Bedeutung von Transzendenz, Inkarnation und Gotteserfahrung sowie um die Rolle sakraler Kunst im Glauben und im Gottesdienst. Kunst wird als Ausdruck menschlicher Sinnsuche und als Verheißung von Vollendung verstanden.

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Der Artikel geht von der Beobachtung aus, dass es seit Beginn der Menschheitsgeschichte Kunst gibt. Schon in der Steinzeit schufen Menschen nicht nur nützliche Gegenstände, sondern gestalteten sie auch ästhetisch. Höhlenmalereien wie die von Höhle von Altamira und frühe Musikinstrumente belegen, dass der Mensch von Anfang an ein Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck hatte. Kunst gehört somit wesentlich zum Menschsein.

Aus evolutionsbiologischer Sicht wird gefragt, warum sich künstlerische Kreativität durchgesetzt hat. Moderne Hirnforschung geht davon aus, dass der Mensch Wirklichkeit nicht einfach abbildet, sondern sie im Gehirn konstruiert und reflektiert. Daraus entstehen Wissenschaft, Kultur, Religion und Kunst. Während Wissenschaft Wirklichkeit in begrifflich rationaler Form erschließt, tut Kunst dies in sinnlich konkreter Gestalt durch Farbe, Klang, Bewegung, Sprache und Form. Beide suchen nach Sinn, bedienen sich jedoch unterschiedlicher Ausdrucksweisen.

Kunst macht nach einem Wort von Paul Klee nicht das Sichtbare sichtbar, sondern sie macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt. Sie erschließt die tiefere Bedeutung der Wirklichkeit und spricht nicht nur den Verstand, sondern den ganzen Menschen an. Künstler wie Monet, Chagall, Brahms oder Strawinsky schaffen durch ihre subjektive Deutung neue Sinnwelten. Jede Epoche bringt ihre eigene Ausdrucksform hervor, doch die Grundintention bleibt gleich: Kunst will Verstehen ermöglichen und den Menschen innerlich bewegen.

Dabei ist Kunst nicht bloß ästhetischer Genuss oder dekorativer Schein. Schon in der Antike verstand man Kunst als erzieherische Kraft. Die Tragödien eines Sophokles oder Euripides sollten den Menschen erschüttern und läutern. Auch Philosophen wie Platon betonten die seelische Wirkung der Musik. Moderne Künstler wie Schostakowitsch oder Kandinsky artikulieren existentielle Erfahrungen und fordern den Betrachter zur Stellungnahme heraus. Kunst will sowohl gefallen als auch belehren. Die Begegnung mit einem Kunstwerk kann den Menschen verwandeln.

Ein Beispiel für diese Wirkung ist das Fresko Das Jüngste Gericht von Michelangelo in der Sixtinische Kapelle. Als es 1541 enthüllt wurde, soll Papst Paul III tief bewegt gewesen sein. Das Kunstwerk vermittelt hier nicht nur ästhetische Eindrücke, sondern eine existenzielle Erfahrung von Gericht und Heil.

Ein weiteres zentrales Merkmal von Kunst ist das Spannungsverhältnis von Freiheit und innerer Notwendigkeit. Der Künstler arbeitet frei und kreativ, erlebt aber zugleich einen inneren Zwang, dem Werk gerecht zu werden. Das fertige Kunstwerk erscheint als eigenständige Wirklichkeit, die nur so sein kann, wie sie ist. Beispiele sind die Madonnenbilder Raffaels oder die Sternennacht von Vincent van Gogh, die mehr zeigen als eine bloße Abbildung der Wirklichkeit. In ihnen wird eine tiefere Dimension des Daseins sichtbar.

Kunst ist zudem Verheißung. Sie weist über die gegenwärtige Wirklichkeit hinaus und lässt eine andere, erfüllte Wirklichkeit ahnen. Sie spricht von Hoffnung, Vollendung und dem Geheimnis des Lebens. Auch wenn sie Leid und Abgründe darstellt, bleibt die Vision einer besseren Welt erhalten.

Besonders deutlich wird dies in der sakralen Kunst. Kunst und Religion sind eng miteinander verbunden. Viele Kunstformen entstanden im religiösen Kontext. Sakrale Kunst dient dem Gottesdienst, ehrt Gott durch Schönheit und Kostbarkeit und macht Glaubensinhalte anschaulich erfahrbar. Bauwerke wie der Mainzer Dom beeindrucken durch ihre Majestät und führen den Betrachter in eine Erfahrung von Transzendenz.

Sakrale Kunst steht neben der Theologie als zweite Ausdrucksform des Glaubens. Während Theologie mit Begriffen arbeitet, spricht Kunst in Bildern, Klängen und Symbolen. Sie kann Glaubensinhalte verdichten und erfahrbar machen. In diesem Zusammenhang wird auf den theologischen Gedanken der Offenbarung und Inkarnation verwiesen. Weil Gott sich im Christentum in Jesus Christus gezeigt hat, ist auch die bildliche Darstellung des Göttlichen möglich. Ikonen wie jene von Andrei Rubljow gelten als Fenster zur Ewigkeit.

Abschließend betont der Artikel, dass Kunst ein unverzichtbarer Bestandteil menschlicher Kultur und religiöser Praxis ist. Sie eröffnet den Zugang zu Transzendenz, hält die Sehnsucht nach Vollendung wach und lässt den Menschen erfahren, dass sein Leben auf etwas Größeres hin offen ist. Kunst ist daher nicht Luxus, sondern eine grundlegende Dimension menschlicher Existenz und ein wesentlicher Ausdruck des Glaubens.

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