Der Artikel nimmt die Szene der Apostelgeschichte auf, in der Paulus nach Athen kommt und sich über die Vielzahl von Bildwerken und Gottheiten empört. Der lukanische Erzähler bezeichnet die Stadt mit einem seltenen Ausdruck als voller Götzenbilder. Damit ist der Ton gesetzt. Wer in Bildern nach Gott sucht, wird nach jüdischer Überzeugung enttäuscht. Die Frage, wo Gott nicht zu finden ist, scheint in Athen leichter zu beantworten als die Frage, wo man ihn wirklich findet.
Zur Begründung greift der Beitrag auf die antike jüdische Götzenkritik zurück. Sie verspottet die Logik der Idolverehrung, weil Menschen aus Holz, Stein, Gold oder Silber selbst Gegenstände herstellen und dann genau diese Werke ihrer Hände anbeten und um Hilfe bitten. Das Buch der Weisheit beschreibt die Absurdität, dass ein Handwerker einen Teil des Holzes als Gebrauchsgegenstand nutzt, einen anderen Teil als Brennmaterial verbrennt und aus dem Rest ein Idol schnitzt, das er dann an der Wand befestigt, damit es nicht umkippt, und zu dem er betet. Paulus warnt in Apg 17 in ähnlicher Linie davor, das Göttliche mit etwas aus Gold, Silber oder Stein gleichzusetzen, das menschliche Kunstfertigkeit und Überlegung geprägt hat. Der Artikel zeigt, wie Lukas die Kritik am Handgemachten nicht nur auf Statuen, sondern auch auf religiöse Gebäude bezieht. In der Stephanus Rede wird Jes 66 aufgenommen, um zu sagen, der Höchste wohne nicht in Handgemachtem. Paulus wiederholt im Kern dasselbe Argument gegenüber den Athenern, indem er sagt, der Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde wohne nicht in handgemachten Tempeln. Die Suche nach Gott muss daher von Bildern und Gebäuden weg in eine andere Richtung gelenkt werden.
Eine erste Antwort führt zur Schöpfung. Paulus verkündigt Gott als den, der die Welt und alles in ihr gemacht hat und der allem Leben, Atem und alles Weitere gibt. Der Artikel deutet diese Aussagen im Horizont der Genesis. Wenn Gott aus einem den Menschen macht und Atem schenkt, klingen Adam und die Einhauchung des Lebens an. Gerade deshalb ist die Idolverehrung so widersinnig, weil das Geschöpf Gottes von seinen eigenen Händen Gemachtes zum Ort der Gottesbegegnung erklärt. Der Beitrag stellt zudem Berührungen zum Römerbrief heraus, wo Paulus ebenfalls die Erkennbarkeit Gottes in der Schöpfung und die Verirrung des Götzendienstes kontrastiert und ein Gericht ankündigt. Der lukanische Paulus nutzt in Athen einen Altar für einen unbekannten Gott als Aufhänger. Er deutet ihn als Hinweis, dass die Athener unwissend bereits den einen Gott verehren, den er verkündet. Damit wird die Vielheit der Gottheiten in ein monotheistisches Konzept überführt.
Ein zweiter Weg zur Gotteserkenntnis liegt im philosophischen Diskurs. Lukas inszeniert Paulus als einen jüdischen Philosophen, der wie Sokrates auf dem Marktplatz mit den Vorübergehenden diskutiert. Die Szene spielt bewusst in Athen, das trotz vergangener Blütezeit als Stadt der Philosophen gilt. Paulus gerät mit Epikureern und Stoikern in Kontakt und wird wie Sokrates dem Verdacht ausgesetzt, fremde Gottheiten zu verkünden. Der Text arbeitet mit Anspielungen auf die sokratische Tradition und mit polemischen Begriffen für rhetorische Aufschneider. Dadurch wird die Brisanz der Verkündigung markiert. In der Areopag Rede zeigen sich Spuren zeitgenössischer Debatten, etwa in der Aussage, dass wir in Gott leben, uns bewegen und sind, die zugleich auch instrumental verstanden werden kann, als Leben durch Gott. Der Artikel betont eine zentrale Formulierung der Rede. Gott sei nicht fern von jedem von uns, die Menschen sollen Gott suchen und ihn ertasten und finden. Das klingt zunächst widersprüchlich, weil Paulus ja gerade eine materielle und anfassen wollende Gottesverehrung kritisiert. Der Beitrag klärt daher, dass das Tasten metaphorisch gemeint ist. Es beschreibt kognitive Erkenntnis, wie jemand im Dunkeln tastet, um das Naheliegende zu finden, das durch Finsternis verborgen ist. Der Autor führt dazu Parallelen aus der antiken Philosophie und Rhetorik an. Das Bild sagt nicht, wie Gott gefunden wird, sondern dass Gott überhaupt gefunden werden kann.
Ein dritter Weg wird über Literatur eröffnet. Paulus stützt seine Rede mit einem Dichterzitat. Lukas greift eine bekannte Zeile aus Aratos auf, wonach wir von Gottes Geschlecht sind. Dadurch entsteht eine Inkulturation. Anknüpfungspunkte aus der griechischen Bildung werden aufgenommen, um den Schöpfergott zu bezeugen. Zugleich bleibt eine Spannung bestehen. Aratos spricht eigentlich von Zeus und setzt andere Gottheiten voraus. Lukas übernimmt die Zeile dennoch und deutet sie um, wodurch das christlich jüdische Gottesverständnis im Gespräch mit der Kultur präsent wird, aber auch Modifikationen erfährt. Der Artikel warnt zugleich vor einer neuen Form von Idolbildung. Auch literarische Gottesbilder sind menschlich geformt und können den Schöpfer mit einem geschaffenen Bild verwechseln. Dennoch kann die poetische Schöpfungspreisung eine Spur sein, um den Gedanken des Schöpfers im Gespräch zu halten.
Am Schluss wird festgehalten, dass klassische Gottesbeweise in der Theologie vielfach problematisch geworden sind. Dennoch kann das Staunen über die Schöpfung, als erstes Buch Gottes, auch heute ein Weg sein, um von Gott zu sprechen. Das literarische Zeugnis der Apostelgeschichte bewahrt zudem davor, eigene Idole zu errichten und sie zu Gott zu machen.