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Der Unterschied

Veröffentlichung:1.2.2022

Der Fachartikel von Alexander Loichinger ist im Heft „ru heute 02 2022“ unter dem Titel „Der Unterschied“ erschienen und umfasst die Seiten 19 bis 24.

Der Artikel behandelt zentrale theologische Probleme der Moderne, insbesondere den Gegensatz von säkularer und religiöser Weltdeutung, die Bedeutung der Chiffre vom Gottestod bei Nietzsche, die Frage nach Sinn oder Sinnlosigkeit menschlicher Existenz, das Problem von Leid und Kontingenz sowie die existenzielle Entscheidung zwischen Glaube und Nichtglaube.

Im Kern zeigt der Beitrag, dass Menschen heute entweder religiös oder säkular leben, dass beide Optionen nebeneinander bestehen und dass die Frage nach Gott trotz moderner Pluralität unausweichlich bleibt.

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So gibt es heute immer beides: Menschen, die weiterhin an Gott glauben, und solche, die das nicht mehr tun. Beide leben in der pluralen Gesellschaft nebeneinander. Sie müssen auch miteinander auskommen.

Der Artikel beschreibt die Moderne als eine Epoche der Pluralität. Geschlossene Weltbilder sind aufgebrochen. Statt einer selbstverständlich religiösen Gesellschaft wie im Mittelalter existieren heute unterschiedliche Lebensstile, Wertvorstellungen und Weltanschauungen nebeneinander. Für die westliche Welt lassen sich zwei grundlegende Optionen unterscheiden: eine säkulare und eine religiöse. Diese Unterscheidung wird unter anderem von Charles Taylor beschrieben.

Die Chiffre des Gottestodes wird mit Friedrich Nietzsche verbunden. In seiner Schrift Die fröhliche Wissenschaft formuliert er das Bild vom Menschen, der Gott getötet habe. Damit ist gemeint, dass in der Moderne Gott nicht mehr selbstverständlich als Sinnzentrum der Welt gilt. Die Erde ist von ihrer Sonne losgekettet, der Mensch steht ohne transzendente Verankerung da. Die Folge ist die Gefahr des Nihilismus, also der Erfahrung von Leere und Sinnverlust.

Die säkulare Moderne versteht die Welt als naturgesetzlich erklärbar. Sinn entsteht innerhalb der Welt durch Arbeit, Beziehungen und Selbstverwirklichung. Doch Nietzsche macht deutlich, dass diese innerweltlichen Sinnangebote die Frage nach einem letzten Sinn nicht vollständig beantworten. Die Moderne wird so zu einem zivilisatorischen Experiment, in dem der Mensch ohne göttliche Verheißung lebt und allein auf seine Autonomie setzt.

Der Artikel bezieht weitere Denker ein. Immanuel Kant sah noch im moralischen Gesetz einen Hinweis auf eine höhere Vernunft. Jacques Monod hingegen beschreibt den Menschen als zufälliges Produkt eines gleichgültigen Universums. Auch bei Max Weber, Sigmund Freud und Gerhard Vollmer wird die Entzauberung der Welt thematisiert. Der Mensch verliert seine Sonderstellung als Krone der Schöpfung.

Dem steht ein moderner evolutionärer Humanismus gegenüber, wie ihn etwa die Giordano Bruno Stiftung vertritt. Auch Vertreter des neuen Atheismus wie Richard Dawkins formulieren eine säkulare Ethik, die ohne Gott auskommt. Dieser Humanismus setzt auf Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung. Dennoch bleibt die Frage, ob der Mensch die durch den Gottestod entstandene Leere wirklich aus eigener Kraft füllen kann.

Die Literatur und Kunst der Moderne spiegeln die innere Zerrissenheit wider. Bei Georg Büchner in Woyzeck, bei Franz Kafka, Fjodor Dostojewski, Samuel Beckett oder Albert Camus wird die Erfahrung von Absurdität und Verlorenheit deutlich. Der moderne Mensch erlebt sich als ortlos im Universum.

Die zentrale Frage lautet daher, ob das Sein als sinnvoll oder als absurd verstanden wird. Diese Entscheidung kann niemand dem Menschen abnehmen. Weder Logik noch Kirche noch Tradition können sie erzwingen. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard spricht vom existenziellen Entweder oder. Der Mensch muss sich entscheiden zwischen Glaube und Verzweiflung. Die Angst ist das Gegenwort zum Glauben.

Gleichzeitig wird das Problem des Leids thematisiert. Das Ausmaß des Leids in der Welt stellt den Gottesglauben in Frage. Doch auch die säkulare Hoffnung auf eine gerechte Gesellschaft kann die Brüchigkeit des Daseins nicht endgültig aufheben. Hier kommt der Gedanke der Kontingenzbewältigung ins Spiel, wie ihn Hermann Lübbe formuliert. Religion hilft dem Menschen, mit Schuld, Scheitern und unverfügbaren Ereignissen umzugehen.

Am Ende zeigt der Artikel, dass der moderne Mensch gespalten ist. Er rechnet mit Gott und zugleich auch wieder nicht. Er spürt das Bedürfnis nach Ewigkeit und weiß zugleich um die Möglichkeit, dass es Gott nicht gibt. Diese Spannung prägt die Gegenwart. Der Unterschied zwischen säkular und religiös besteht letztlich in der Grundentscheidung, ob das Leben auf eine letzte Sinnperspektive hin verstanden wird oder nicht.

Für den Religionsunterricht ergibt sich daraus die Aufgabe, diese existenzielle Spannung ernst zu nehmen. Nicht dogmatische Rechtgläubigkeit steht im Mittelpunkt, sondern die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Hoffnung, nach Leid und nach der Möglichkeit, im Vertrauen auf Gott existenziellen Halt zu finden.

Hessen

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Sekundarstufe II | E2 Gotteswort im Menschenwort – Themen der Bibel und ihre Aneignung

E2.4 Dem Ganzen der Wirklichkeit begegnen – an Gott glauben.

Sekundarstufe II | Q2 Gott – verborgen und offenbar

Q2.1 Gottesrede – angemessen von Gott sprechen.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Fragen und suchen: Existiert Gott?.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Wie Menschen sich Gott vorstellen: Alltagsweltliche Gottesbilder und Vorstellungen
  • Wie sich Gottesbilder und Gottesvorstellungen im Verlauf der Lebensgeschichte wandeln
  • An welchen Gott glauben Christen, wenn sie bekennen „Ich glaube an Gott“

Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 7. Allgemeine Gottesidee, philosophischer Gottesbegriff und personales Gottesbild.

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