Sie schafft den Rahmen für ein theologisches Sprechen, das dem Anspruch der intellektuellen Redlichkeit verpflichtet ist. Der Artikel setzt bei der Einsicht der Negativen Theologie an. Sie geht davon aus, dass Gott für menschliches Denken unerkennbar und unbeschreibbar bleibt, weil die als Gott bezeichnete Wirklichkeit größer ist als alle raumzeitlichen Kategorien. Darum kann religiöses Erleben letztlich nur in Paradoxien angemessen zur Sprache kommen, wie es etwa in dem Satz ausgedrückt wird, dass ein Gott den es gibt nicht existiert im Sinne eines verfügbaren Gegenstandes. Der Autor kritisiert, dass diese Einsicht in Religionsunterricht, Theologie und Gottesdienst häufig zu wenig ernst genommen wird. Eine zu eindeutige, bestätigende und verharmlosende Rede von Gott provoziere eher Widerspruch, statt das Befremden moderner Menschen zu mindern. Wer solche Gottesbilder kritisiert, steht damit nicht außerhalb der Tradition, sondern in der Linie prophetischer Kritik und der Negativen Theologie.
Von dort führt der Artikel zur Frage, wie überhaupt sinnvoll von Gott gesprochen werden kann, wenn Gott sich einer begriffsrationalen Beschreibung entzieht. Die Antwort lautet: in Bildern und Metaphern. Das wird als keineswegs minderwertige Form von Sprache beschrieben, sondern als ein anderer Sprachmodus, der im Alltag ganz selbstverständlich neben wörtlicher Rede vorkommt. Der Autor wendet sich gegen die verbreitete Unterstellung, metaphorische Rede über Gott sei nur ein Ausweichen ohne kognitiven Gehalt. Metaphern können als bloßer Ersatz für eigentlich wörtliche Aussagen verstanden werden, doch überzeugender sei ein Verständnis, nach dem Metaphern Erfahrungsbereiche ausdrücken, die wörtlich nicht angemessen gesagt werden können. In diesem Sinn stehen Metaphern in einer Spannung zwischen ist nicht und ist wie. Wenn etwa von Vater im Himmel gesprochen wird, dann ist das keine Tatsachenbehauptung über einen Gegenstand im Himmel. Wer Gott wie einen Gegenstand sucht wird ihn nirgends finden. Vielmehr wird eine Wirklichkeit gedeutet, die wie ein Vater ist, ohne dass sie ontologisch als Vater festgelegt wird.
Darum beschreibt der Artikel Gottesrede auf reflexiver Ebene als fiktionale Rede, wobei fiktiv nicht ausgedacht meint, sondern sichtbar gemacht. Für Menschen existiert Gott nur in Gestalt von Bildern, und sogar das Wort Gott selbst ist eine Metapher. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von Beweisfragen zu Fragen des Erlebens und der Deutung. Auf der Ebene spiritueller Erfahrung geht es nicht mehr um wirklich oder nicht wirklich im naturwissenschaftlichen Sinn, sondern um das eigene Erleben, das in einem Symbolsystem interpretiert wird. Religiöse Erfahrung wird als interpretierte Wahrnehmung verstanden. Transzendenzerleben meint, dass Menschen eine Dimension von Wirklichkeit erfahren, die über das Immanente hinausgeht und sich begrifflich nicht vollständig einfangen lässt. Dieses Erleben sei grundsätzlich allen Menschen möglich, unabhängig davon ob sie religiös oder areligiös sind. Ob daraus religiöse Erfahrung wird hängt daran, ob dieses Erleben mit Metaphern eines religiösen Symbolsystems gedeutet wird. Solche Metaphern entstehen in Kulturräumen, werden durch Sozialisation übernommen, verändert oder auch neu geschaffen. Der Autor zeigt das exemplarisch an poetischen Texten, in denen das Ich zugleich zerbricht und getragen wird, und in denen eine du Anrede als tragende Wirklichkeit erscheint.
Im Blick auf das christliche Symbolsystem betont der Artikel die Vielfalt der Gottesbilder. Die verbreitete Annahme, Christen glaubten einfach an einen personalen männlich konnotierten Gott greife zu kurz. Auch wenn personale Metaphern häufig sind, kennt die Bibel ebenso apersonale Bilder wie Feuer, Licht, Fels oder Tierbilder. Es sei falsch, personale Rede als eigentlich und apersonale Rede als nur metaphorisch abzuwerten. Menschen nutzen unterschiedliche Bilder, weil Wahrnehmung, Biografie und kulturelle Prägung verschieden sind. Das kann irritieren, weil es nach Relativismus klingt. Der Artikel hält dagegen, dass es keinen absoluten Standpunkt gibt, von dem aus sich endgültig entscheiden ließe, welche Deutung die einzig richtige sei. Man kann zwar prüfen, ob eine Vorstellung in biblischer Tradition steht, aber daraus folgt noch nicht automatisch ihre absolute Angemessenheit. Gleichzeitig wird vor der Gefahr religiösen Extremismus gewarnt. Deshalb schlägt der Text als relatives Kriterium eine Orientierung an Heil und Humanisierung vor: Religiöse Vorstellungen sollten sich daran messen lassen, ob sie im Sinne der Goldenen Regel heilbringend wirken für Menschen und Mitwelt.
Abschließend wird die Spannung zwischen atheistischem und religiösem Erleben aufgegriffen. Ein Atheist kann spirituelle Erfahrungen ernst nehmen und dennoch sagen, er habe keine Erfahrungen die ihn zu Gott führen. Der Autor fragt, ob solche Unterschiede manchmal auf unterschiedliche Gottesbilder zurückgehen. Für eine Konkretisierung verweist er auf Karl Rahner. Transzendenzerfahrung ereignet sich demnach mitten im Alltag, etwa in Erfahrungen von Verzeihen ohne Lohn, von Pflichterfüllung ohne Dank, von Güte ohne Echo, von Denk und Sinnkrisen, von der Angst in der Banalität zu versickern und dennoch auf ein Meer zu hoffen. Gottesbilder dienen in diesem Horizont nicht als beweisbare Aussagen, sondern als Hilfe, mit der erfahrenen Wirklichkeit in Kontakt zu kommen. Glauben wird deshalb nicht als Fürwahrhalten verstanden, sondern als Vertrauen, als Sich Verlassen auf diese Wirklichkeit. Daraus kann eine Lebenshaltung wachsen, in der Angst und Sorge weniger bestimmen, weil das Leben in einem tragenden Sinnhorizont gedeutet wird, wie es Bibel, Mystik und Tradition bezeugen.