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Eulenfisch

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Kirchenfenster als Tore zum Himmel

Veröffentlichung:1.1.2009

Der Fachartikel „Das Kölner Domfenster von Gerhard Richter Was hat es mit dem abgebildeten Buntglasfenster auf sich?“ von Karl Heinz König ist im Heft ru heute enthalten unter dem Titel: „“ und umfasst S. 56 bis 59. Der Beitrag erklärt Entstehung, Technik und Wirkung von Kirchenfenstern am Beispiel des Richter Fensters im Kölner Dom. Theologisch problematisiert werden vor allem die Fragen, wie Sakralität durch Licht und Raum entsteht, ob gegenstandslose Kunst religiös sprechen kann, wie sich Bilder und Bildverbote in der Tradition des Christentums zueinander verhalten und wie Kirchenräume für Glauben, Meditation und Gotteserfahrung geöffnet werden können.

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Der Artikel beschreibt Kirchenfenster als Tore zum Himmel und stellt das große Kunstglasfenster im südlichen Querschiff des Kölner Domes vor, das von Gerhard Richter entworfen wurde. Das Fenster ist 113 Quadratmeter groß und hat seit seiner Planung heftige Diskussionen ausgelöst. Die Reaktionen von Theologen, Kunstkennern, Gläubigen und Touristen waren geteilt, dennoch wuchs mit der Zeit die Zustimmung. Die Finanzierung gelang durch viele private Spenden, wodurch deutlich wird, dass das Werk von vielen als wertvoll für den Dom und seine Wirkung im Raum angesehen wird.

Zunächst erklärt der Text die traditionelle Herstellung von Kunstglas, das auch Antikglas genannt wird. Im Unterschied zu glattem Industrieglas streut Antikglas das Licht durch Unebenheiten, Trübungen und kleine Luftbläschen. Dadurch entsteht ein schimmerndes, lebendiges Licht. Der Beitrag schildert grundlegende Arbeitsschritte wie das Herstellen der Glasplatten, das Einfärben durch Metallerze, das Auftragen von Linien mit Schwarzlot und das Einfassen der Stücke. Außerdem wird erläutert, wie Fenster in das Maßwerk einer Kathedrale eingesetzt und statisch gesichert werden. Als Weiterentwicklung wird Überfangglas genannt, bei dem farbiges Glas mit Grundglas verschmolzen wird.

Danach gibt der Artikel einen Einblick in die Grundidee gotischer Sakralarchitektur. Ziel war eine Vorstellung des Himmlischen Jerusalem. Abt Suger in Saint Denis gilt als wichtiger Initiator. Gotische Bauweise ermöglichte hohe Räume und große Fensterflächen, sodass Wände gewissermaßen zurücktreten und Licht zur prägenden Kraft wird. Licht sollte als Hinweis auf das göttliche Licht erfahrbar werden und den Menschen zur Erkenntnis Gottes führen. Kirchenfenster wurden deshalb nicht nur als Schmuck, sondern als sakraler Bestandteil verstanden. Figuren und Ornamente sollten paradiesische Wirklichkeit andeuten und den Raum liturgisch und spirituell prägen.

Im historischen Teil wird erklärt, warum im Kölner Dom ein neues Fenster nötig wurde. Ein früheres Fenster war im Krieg zerstört worden. Spätere Entwürfe und Ersetzungen wurden diskutiert, doch figürliche Pläne fanden keine Zustimmung. In dieser Situation kam es 2002 zu der Idee, Gerhard Richter zu gewinnen. Richter hatte Erfahrung mit Glas, aber nicht mit einem so großen Kathedralfenster. Er lehnte eine traditionelle Heiligendarstellung ab und suchte nach einem anderen Zugang. Ausgangspunkt wurde sein Werk 4096 Farben. In einem langen Prozess untersuchte Richter die Farbtöne der Domfenster, reduzierte sie auf 72 Grundfarbeffekte und ließ sie durch ein Zufallsprinzip anordnen. So entstand ein Feld aus 11500 Farbquadraten. Der Beitrag betont, dass das Ergebnis nicht einfach mechanisch erzeugt wurde, weil Richter viele Entwürfe verwarf, Farbreihen spiegelte und problematische Kombinationen veränderte, bis eine ausgewogene Lichtwirkung zu erwarten war. Ziel war ein zurückhaltendes Licht, das weder zu warm noch zu kalt wirkt.

Auch die Herstellung war neuartig. Die farbigen Antikgläser wurden mit einer modernen Klebetechnik auf Sicherheitsglas befestigt. Damit wurde ein Bleiruten Raster vermieden, weil es bei so vielen kleinen Teilen unruhig gewirkt und die Gesamtwirkung zerstört hätte. Der Artikel nennt außerdem die Rolle der Dombaumeisterin und beratender Fachleute, die den Prozess begleiteten. Zugleich wird ein Konflikt innerhalb der Kirche erwähnt, weil nicht alle Verantwortlichen das abstrakte Konzept für eine Kathedrale passend fanden.

Im Abschnitt zur Bewertung des fertigen Fensters werden kunsthistorische und kirchliche Stimmen angeführt. Das Fenster wird als Fläche gleichrangiger Teile beschrieben, die durch den gotischen Rahmen in den kirchlichen Kontext eingebunden wird. Es soll zur Meditation anregen und einen Raum öffnen, der für religiöse Erfahrung empfänglich macht. Der Artikel ordnet das Werk in die lange Geschichte der Domfenster ein und betont, dass der Dom Fenster aus mehreren Jahrhunderten enthält. Deshalb könne auch ein Werk der Gegenwart seinen Platz haben, selbst wenn es nicht figürlich erzählt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die theologische Frage nach Gegenstandslosigkeit und religiöser Bildsprache. Der Text erinnert daran, dass eindeutige religiöse Bilder in der Tradition immer wieder umstritten waren und nennt frühe Positionen, die figürliche Darstellungen ablehnten. Vor diesem Hintergrund wird Richters abstrakte Lösung als bewusste Entscheidung gedeutet. Das Fenster kann so als Lichtsymbol verstanden werden, das nicht einzelne Heilige zeigt, sondern die Vielfalt von Gedanken und Bildern im Raum zusammenführt. Licht wird als Hinweis auf das Geheimnis Gottes beschrieben. Selbst wenn Betrachter Inhalte nicht lesen oder deuten, kann die Lichtatmosphäre ein religiöses Empfinden auslösen. Der Beitrag endet mit dem Gedanken, dass das farbige Licht epiphan wirkt, also etwas aufscheinen lässt, das über den Raum hinausweist.

Abschließend bietet der Text kunst und religionspädagogische Anregungen. Vorgeschlagen werden Gespräche über Lichtatmosphären, biblische Lichtworte, Vergleiche zwischen romanischen und gotischen Kirchen sowie Exkursionen zu Fenstern, Moscheen oder Glaswerkstätten. Außerdem werden kreative Gestaltungen genannt, bei denen Lernende Maßwerk nachzeichnen, Fenster entwerfen oder mit Transparentpapier und Karton eigene Buntglaswirkungen herstellen.

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