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Ultima Irratio – Wann sind wir für die Klimakrise bereit?

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel „Ultima Irratio – Wann sind wir für die Klimakrise bereit?“ von Michael Hochschild ist, soweit aus dem vorliegenden Text ersichtlich, unter diesem Titel veröffentlicht. Der vorliegende Auszug umfasst 4 Seiten. Der Beitrag zeigt, dass viele Menschen und Gesellschaften ihre Bereitschaft zur Bewältigung der Klimakrise überschätzen, weil sie weiterhin in den Denkformen der Moderne, des Konsums und der technischen Machbarkeit bleiben. Der Autor kritisiert besonders die trügerische Sicherheit, die aus technischen Lösungen, wirtschaftlicher Logik und politischer Selbstberuhigung entsteht.

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Der Artikel setzt bei der Beobachtung an, dass sich Frankreich im Blick auf den Klimawandel für vergleichsweise gut vorbereitet hält. Als Grund dafür gilt vor allem die starke Nutzung der Atomenergie, die im Vergleich zu Kohle und Gas eine bessere Kohlendioxidbilanz aufweist und deshalb als eine Art Schutzschild gegen die Klimakrise erscheint. Michael Hochschild zeigt jedoch, dass diese Sicherheit trügerisch ist. Schon auf den ersten Blick werde deutlich, dass auch die Atomenergie keine verlässliche Lösung bietet, weil Kraftwerke in besonders heißen Sommern heruntergefahren werden müssen und zugleich die Energieabhängigkeit etwa beim Uran keineswegs aufgehoben ist. Damit erweist sich die Vorstellung einer besonderen französischen Klimaresilienz als Selbsttäuschung.

Der Autor führt weiter aus, dass diese Selbsttäuschung auf einer tieferen Ebene problematisch ist, weil sie dazu verleitet, den eigenen Lebensstil nicht wirklich zu verändern. Wer glaubt, bereits gut aufgestellt zu sein, spart weniger Energie und hält an konsumorientierten Gewohnheiten fest. Als Beispiel nennt der Text die hohe Zahl privater Swimmingpools in Frankreich trotz Wasserknappheit und behördlicher Einschränkungen. Auf einer noch grundsätzlicheren Ebene kritisiert Hochschild die Vorstellung, nationale Grenzen könnten globale Probleme wie den Klimawandel aufhalten. Klimakrise, Krieg, Energieknappheit und wirtschaftliche Folgen überschreiten politische und nationale Ordnungen. Gerade deshalb ist es illusionär, sich in nationaler Sicherheit zu wiegen.

Im Zentrum des Artikels steht die These, dass Menschen in der Klimakrise in einem Motivationskonflikt leben. Einerseits wissen sie, dass sie etwas ändern müssten, andererseits wollen sie Bequemlichkeit, Konsum, Mobilität und gewohnte Lebensstandards nicht aufgeben. Dieser Konflikt wird oft verdrängt. Dadurch entsteht der Eindruck, man sei durchaus bereit zum Wandel, obwohl man faktisch am bisherigen Leben festhält. Hochschild zeigt, dass diese Verdrängung sozial unterschiedlich ausfällt. Für Menschen in prekären Lebenslagen steht oft nicht die Rettung der Welt, sondern das Überstehen des Monats im Vordergrund. Damit macht der Text deutlich, dass Klimapolitik immer auch eine soziale Frage ist.

Der Autor geht dann einen Schritt weiter und kritisiert das gesamte moderne Problembewusstsein. Seiner Ansicht nach reicht es nicht aus, nur mehr ökologisches Engagement zu fordern, solange die Denkformen der Moderne unangetastet bleiben. Die Moderne habe ein Menschenbild hervorgebracht, das auf Autonomie, Beherrschung, Nutzen und Wirksamkeit ausgerichtet ist. Genau diese Logik habe aber zur Klimakrise beigetragen. Wenn nun ökologische Lösungen wiederum nach Effizienz, Rentabilität und Steuerbarkeit bewertet werden, werde dieselbe Logik lediglich grün verkleidet fortgesetzt. Der Autor spricht hier von einer Ökofalle der Moderne. Auch gut gemeinte Klimapolitik könne so in den alten Mustern von Kontrolle, Nutzen und Verwertung gefangen bleiben.

Besonders anschaulich wird diese Kritik in dem Abschnitt über Abfall. Hochschild zeigt, dass die moderne Wegwerfgesellschaft Dinge aus dem Blick schafft, indem sie sie symbolisch und praktisch aus der sozialen Welt ausschließt. Müll soll verschwinden, obwohl er tatsächlich weiter existiert und in neuer Form auf Mensch und Umwelt zurückwirkt. Gerade am Abfall werde sichtbar, dass die moderne Trennung zwischen wertvoll und wertlos, nützlich und überflüssig, nicht trägt. Das Weggeworfene bleibt Teil der Welt und wird zu einem Zeichen dafür, wie Gesellschaften über Dinge, Menschen und Natur denken. Daraus entwickelt der Autor eine grundlegende Kritik am modernen Weltverhältnis. Die Welt dürfe nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Nutzen und Beherrschung wahrgenommen werden. Vielmehr müsse sie in ihren wechselseitigen Abhängigkeiten ernst genommen werden.

Im letzten Teil führt Hochschild den Begriff Ultima Irratio ein. Damit beschreibt er die Erfahrung, dass die vertrauten Mittel moderner Vernunft nicht mehr ausreichen, um die Wirklichkeit zu verstehen und angemessen zu gestalten. Früher habe die Moderne auf Vernunft, Vertrag und rationale Steuerung gesetzt. Angesichts von Krieg, autoritären Entwicklungen und Klimakrise zeige sich jedoch, dass diese Instrumente oft an ihre Grenzen kommen. Auch Versuche, über sanfte Lenkung oder gezielte Verhaltenssteuerung klimafreundliches Handeln zu erzeugen, bleiben für ihn innerhalb derselben problematischen Logik. Sie verändern nicht das zugrunde liegende Weltbild, sondern optimieren nur das Verhalten innerhalb eines falschen Systems.

Die Schlussaussage des Artikels ist daher deutlich: Für die Klimakrise sind wir erst dann wirklich bereit, wenn wir nicht mehr nur einzelne Maßnahmen verbessern, sondern unser gesamtes Verständnis von Welt, Mensch und Zusammenleben hinterfragen. Solange wir Erfolge und Misserfolge weiterhin mit den Maßstäben der alten Moderne messen, bleiben wir in Selbsttäuschung gefangen. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht nur in technischen oder politischen Lösungen, sondern in einem tiefgreifenden Wandel des Denkens und Lebens. Der Text versteht die Klimakrise deshalb als umfassende Anfrage an unsere Lebensform, unsere Werte und unsere Vorstellung vom richtigen Leben.

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