Der Artikel beschreibt die gegenwärtige Lage der Kirche als tiefgreifende und schon lange andauernde Krise. Der Autor zeigt, dass sinkende Gottesdienstzahlen, der Rückgang kirchlicher Bindungen und die Erosion des personalen Gottesglaubens keine neuen Entwicklungen sind, sondern sich seit Jahrzehnten beobachten lassen. Dabei stellt er die Frage, ob die Krise der Kirche aus einer Krise des Gottesglaubens hervorgeht oder ob umgekehrt die Kirchenkrise die Gotteskrise verstärkt. Seine Antwort lautet, dass beide Prozesse miteinander verbunden sind und sich gegenseitig verstärken.
Im Zentrum steht die Beobachtung, dass viele Menschen zwar noch an irgendein Geheimnis oder an eine höhere Wirklichkeit glauben, sich aber nicht mehr auf das christliche Bekenntnis zu einem personalen Gott festlegen. Damit werden religiöse Identitäten unschärfer, offener und weniger konfessionell eindeutig. Der Autor spricht von einer religiösen Lage, in der traditionelle Glaubensformen verblassen und an ihre Stelle individuelle spirituelle Selbststeuerung tritt. Viele Menschen bewegen sich damit außerhalb christlicher Orthodoxie, ohne deshalb völlig religionslos zu sein.
Ein wichtiger Gedanke des Artikels ist, dass die Krise des Glaubens auch mit einer Krise der religiösen Sprache zusammenhängt. Die überlieferten Bilder und Formulierungen für Gott erscheinen vielen Menschen verbraucht und lebensfern. Deshalb fragt der Autor, ob die Kirche neue und in heutiger Lebenserfahrung anschlussfähige sprachliche Bilder braucht, um ihre Glaubenstradition verständlich und glaubwürdig zu kommunizieren. Es geht ihm darum, zwischen veralteter sprachlicher Form und möglichem weiterhin vorhandenem spirituellem Gehalt zu unterscheiden.
Darüber hinaus beschreibt der Artikel den gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Kirchen. Die christlichen Kirchen repräsentieren nur noch einen Teil der Bevölkerung und verlieren damit ihre frühere Integrationskraft. Die katholische Kirche ist nicht mehr selbstverständlich Volkskirche. Auch innerhalb kirchlicher Einrichtungen, etwa der Caritas, schwinden konfessionelle Eindeutigkeit und kirchliche Bindekraft. Hinzu kommt, dass pastorales Personal und Ordensgemeinschaften überaltern und kaum Nachwuchs gewinnen. Dadurch werden die Begegnungen mit Menschen, die ihr Leben ganz bewusst in den Dienst der Kirche stellen, seltener. Strukturreformen vergrößern Pfarreien und verstärken bei vielen das Gefühl von Heimatverlust.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Distanz junger Menschen zur Kirche. Der Autor betont, dass die religiöse Sozialisation in Familien schwächer geworden ist und der Religionsunterricht dies nur begrenzt ausgleichen kann. Gottesdienste wirken auf viele junge Menschen ästhetisch nicht ansprechend und sozial nicht attraktiv. Deshalb stellt der Artikel die Frage, ob die Kirche in Zukunft stärker auf ästhetische Qualität, symbolische Dichte und erfahrbare Spiritualität achten muss, um die Freude des Evangeliums überhaupt noch vermitteln zu können.
Im Blick auf Moral und Sakramente analysiert der Autor den Bedeutungsverlust klassischer kirchlicher Normen. Frühere Sanktionsvorstellungen haben an Wirksamkeit verloren. Begriffe wie Sünde und Todsünde erscheinen selbst innerhalb der Kirche unscharf. Besonders an der Debatte um wiederverheiratet Geschiedene und andere sogenannte irreguläre Lebenssituationen zeigt sich für ihn ein grundlegender Wandel. Papst Franziskus steht in diesem Zusammenhang für einen Perspektivwechsel. An die Stelle einer ausschließenden, kontrollierenden Pastoral soll eine barmherzige und eingliedernde Pastoral treten. Der Papst betont, dass nicht pauschal alle Menschen in nicht idealen Lebenssituationen als von Gott getrennt gelten dürfen und dass die Eucharistie nicht Belohnung für Vollkommene, sondern Stärkung für Schwache ist.
Von hier aus entwickelt der Artikel einen pastoralen Leitbildwechsel. Die Kirche soll nicht länger primär als normsetzende und sanktionierende Institution auftreten, sondern als begleitende, ressourcenorientierte und pädagogisch sensible Jesusbewegung. Der Autor hebt hervor, dass Kirche Chancen hat, wenn sie Inklusion vor Exklusion stellt, einen pädagogischen Habitus entwickelt, Werte überzeugend vertritt, Kontaktflächen erhält und ihre symbolischen und liturgischen Formen qualitativ stärkt. Auch die spirituellen Ressourcen der Kirche müssten neu entdeckt, gepflegt und für die Gegenwart erschlossen werden.
Insgesamt plädiert der Artikel für ein neues kirchliches Selbstverständnis. Kirche soll die Realität ihrer Krise nicht verdrängen, sondern aus ihr lernen. Sie muss ihre Sprache, ihre Praxis und ihr pastorales Handeln so erneuern, dass Menschen sich nicht abgestoßen, sondern angesprochen fühlen. Der Weg aus der Krise liegt nach Auffassung des Autors nicht in schärferer Abgrenzung, sondern in einer glaubwürdigen Verbindung von christlichem Profil, Barmherzigkeit, ästhetischer Qualität, geistlicher Tiefe und konkreter Begleitung.