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Susanne FitzRU Heute

Susanne Fitz,

RU Heute

Heilsame Gestalten – verrückte Typen

Veröffentlichung:1.1.2013

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Vertrautes auf den ersten Blick fremd – Fremdes auf den zweiten Blick vertraut“ erschienen und umfasst die Seiten 24 bis 28, also 5 Seiten. Vorgestellt wird eine seit 1994 bestehende Kooperation zwischen der Katholischen Cityseelsorge Mainz und dem Landesmuseum Mainz, in der Kunstwerke im Dialog von Kunstgeschichte, Zeitgeschichte, Theologie und Spiritualität neu erschlossen werden. Theologisch behandelt der Beitrag Fragen der Heiligenverehrung, der Vorbildfunktion von Heiligen, von Umkehr und Buße, von Nachfolge, Gehorsam und Berufung sowie die Aktualität christlicher Werte in der Gegenwart.

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Seit 1994 arbeiten die Katholische Cityseelsorge Mainz und das Landesmuseum Mainz zusammen, um Kunstwerke der Sammlung in einem Dialog von Kunst, Geschichte, Theologie und Spiritualität zu präsentieren. Vera Plondke vom Landesmuseum und Pfarrer Michael Baunacke entwickelten thematische Reihen, in denen Kunstwerke nicht nur kunsthistorisch erklärt, sondern spirituell gedeutet wurden. Unterstützt von Musikern der Hochschule für Musik Mainz entstanden einstündige Sonntagsmatineen mit meditativem Charakter. Diese Form der Verkündigung über die Sinne fand große Resonanz und zog zuletzt siebzig bis achtzig Teilnehmende an. Ziel war es, einerseits einen eigenen Zugang zum Kunstwerk zu ermöglichen und andererseits religiöse Themen zu erschließen. Es entstand eine fruchtbare Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitierten.

Eine Themenreihe stand unter dem Titel Heilsame Gestalten verrückte Typen und widmete sich Heiligen. Während Engel heute populär sind, erscheinen Heilige vielen Menschen fremd, veraltet oder zu katholisch. Deshalb bestand die Herausforderung darin, die dargestellten Personen so zu präsentieren, dass ihre Bedeutung für die Gegenwart sichtbar wird. Religiöse Kunst sollte nicht bloß dekorativ wirken, sondern zur Auseinandersetzung anregen. Die Darstellung erschließt zugleich den historischen Kontext und öffnet einen Bezug zur heutigen Lebenswelt. Die Aufbereitung legt den Schwerpunkt auf Meditation und existenzielle Deutung, weniger auf wissenschaftliche Detailanalyse. Pointierte Titel wie Traummann in einer Nebenrolle sollen Interesse wecken und einen modernen Zugang ermöglichen.

Am Beispiel des heiligen Josef wird diese Vorgehensweise konkret. Josef wird als vielseitiger und beweglicher Mann beschrieben, der sich neuen Situationen anpasst. Als Verlobter und Beschützer Marias steht er zu ihr, obwohl gesellschaftliche Konventionen dagegen sprechen. Als gerechter Mann reagiert er besonnen auf die Schwangerschaft Marias und entscheidet sich für einen Weg der Barmherzigkeit. Als gehorsamer Mensch folgt er dem göttlichen Auftrag und übernimmt Verantwortung für Jesus. Er handelt, als die Flucht nach Ägypten notwendig wird, und bleibt ein Mann der Tat statt vieler Worte. Aus diesen biblischen Motiven entsteht das Bild eines mutigen, uneigennützigen Mannes mit großem Herzen. Die Frage, ob solche Werte heute noch gelten, eröffnet eine Diskussion über Treue, Verantwortung, Mut und Glauben. Die betrachtete Skulptur des heiligen Josef stammt von Johann Sebastian Barnabas Pfaff und wird als Ausdruck dieser Haltungen gedeutet.

Ein weiteres Beispiel ist die heilige Pelagia, dargestellt in einem Gemälde von Philippe de Champaigne. Pelagia wird als Frau geschildert, die zunächst ein Leben im Überfluss, in Genuss und Ausschweifung führte und als Prostituierte lebte. Durch die Predigt des Bischofs Nonnus erfährt sie eine innere Umkehr, lässt sich taufen, verschenkt ihren Besitz an die Armen und lebt fortan als Einsiedlerin in Askese. Nach ihrem Tod wird bekannt, dass sie unter männlichem Namen als Eremit gelebt hatte. Das Bild Champaignes zeigt sie in einer Landschaft und verweist auf den Kontrast zwischen einem Leben im Überfluss und einem Leben der Besinnung und Buße. Dieser Gegensatz bietet Anlass zur Reflexion über heutige Vorstellungen vom vollen Leben, über Konsum, Überfluss und die Sehnsucht nach einem anderen Lebensstil. Der Gedanke des Aussteigens wird aufgegriffen und in Beziehung gesetzt zu modernen Beispielen wie dem Buch In der Wildnis von Jon Krakauer.

Insgesamt zeigt der Artikel, wie religiöse Kunst im Museum zum Ausgangspunkt für spirituelle und existenzielle Gespräche werden kann. Heilige erscheinen nicht als verstaubte Figuren vergangener Frömmigkeit, sondern als Prototypen des Glaubens, die Fragen nach Berufung, Umkehr, Treue und persönlicher Verantwortung aufwerfen. Durch eine sinnlich erfahrbare und meditativ geprägte Präsentation wird Kunst zu einem Raum, in dem Glauben neu bedacht und für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden kann.

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