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Erzbistum Köln

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Back to the Roots?

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Back to the Roots? Das Neue Testament und die kirchliche Reformdebatte“ enthalten. Der vorliegende Artikel umfasst fünf Seiten, erkennbar etwa von Seite 2 bis Seite 6. Thomas Söding zeigt, dass echte Kirchenreform nicht in beliebiger Modernisierung besteht, sondern in der Rückbesinnung auf Jesus Christus und das Neue Testament. Der Beitrag behandelt dabei zentrale theologische Probleme wie das Verständnis von Kirche, die Frage nach Ursprung und Gestalt kirchlicher Reform, das Verhältnis von Tradition und Erneuerung, die Bedeutung von Amt und Charismen, die Sendung der Kirche in der Welt, ihre Verwurzelung in Israel, ihre Einheit, Heiligkeit, Universalität und ihren Dienst am Menschen.

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Der Artikel setzt bei der gegenwärtigen Reformdebatte in Kirche und Gesellschaft an. Reformen erscheinen notwendig, weil gesellschaftliche und kirchliche Krisen offenkundig sind. In der Kirche zeigen sie sich etwa im Rückgang des Gottesdienstbesuchs, im Priestermangel, in Strukturdebatten und in Spannungen mit der Moderne. Der Autor macht jedoch deutlich, dass sich die Frage nach Reform nicht auf organisatorische Veränderungen beschränken darf. Entscheidend ist vielmehr, wofür die Kirche eigentlich steht und wodurch sie unverwechselbar bleibt. Darum lohnt sich nach seiner Ansicht nur eine Reformdebatte, die fragt, wie der Glaube heute verständlich, verbindlich und glaubwürdig bezeugt werden kann. Dafür braucht es nicht nur Kritik an problematischen Entwicklungen der Gegenwartskultur, sondern vor allem eine neue Besinnung auf das Evangelium.

Söding erklärt, dass Reform im Raum der Kirche ihren eigentlichen Sinn nur dann behält, wenn sie als Rückbesinnung auf den Ursprung verstanden wird. Reform bedeutet für ihn nicht Neuerfindung des Christentums, sondern Wiedergewinnung des Wesentlichen und Authentischen. Maßgeblich dafür ist Jesus Christus, wie er im Neuen Testament bezeugt wird. Deshalb ist das Neue Testament kein beliebiges historisches Dokument, sondern normativer Maßstab kirchlicher Erneuerung. Zugleich warnt der Autor vor zwei Fehlformen. Zum einen darf das Neue Testament nicht fundamentalistisch als fertiger Bauplan für heutige Kirchenstrukturen gelesen werden. Zum anderen darf man die neutestamentlichen Aussagen über Kirche und Amt nicht als unfertig abwerten. Die Kirche muss den biblischen Kanon ernst nehmen, weil er sie auf das Evangelium als ihre eigentliche Lebensquelle verweist.

Im Zentrum des Artikels steht die Frage nach der Grundform der Kirche im Neuen Testament. Der Autor betont, dass diese Grundform weder starr noch ungeordnet ist. Vielmehr zeigt das Neue Testament eine große Vielfalt kirchlicher Lebensformen. Diese Vielfalt ist kein Zeichen von Beliebigkeit, sondern Ausdruck der Fähigkeit zur Inkulturation und der Offenheit für unterschiedliche Begabungen, Kulturen und geschichtliche Situationen. Gerade darin zeigt sich, dass die Kirche immer zugleich Kirche vor Ort und Kirche für alle Zeiten sein muss. Ihre Gestalt ist vom Heilshandeln Jesu bestimmt und darum auf Menschen in ihren konkreten Lebenswelten bezogen.

Söding beschreibt zwei grundlegende Reformbewegungen, aus denen die Kirche ihren Ursprung gewinnt. Die erste ist die Reform Jesu selbst. Jesus wirkt als Jude in Israel und für Israel. Er sammelt das Gottesvolk neu, indem er die Nähe der Gottesherrschaft verkündet, die Zwölf beruft und besonders Arme, Kranke, Sünder und Ausgegrenzte anspricht. Damit wird sichtbar, dass Jesus das Volk Gottes nicht ersetzt, sondern erneuert und zur Vollendung führen will. Seine Sendung ist zugleich von Anfang an universal ausgerichtet, weil die Verheißung Gottes auch die Völker umfasst. Der Weg Jesu zur Sammlung des Gottesvolkes ist die Einladung zur Umkehr und Nachfolge. Daraus ergeben sich nach dem Autor bleibende Merkmale der Kirche: der Vorrang Christi, das Prinzip der Sendung, die missionarische Dynamik, die Verwurzelung in Israel, die Universalität, die Einheit, die Gemeinschaft, die Heiligkeit und der Dienst an den Menschen. Ihre Mitte findet diese Bewegung im letzten Abendmahl, weshalb die Eucharistie die Mitte der Kirche ist.

Die zweite grundlegende Reformbewegung ist die des Auferstandenen. Nach Kreuz und Auferstehung werden die Jünger neu in die Nachfolge aufgenommen und zur Verkündigung gesandt. Die Auferstehung begründet damit nicht nur die Kirche, sondern auch ihren Weg durch die Geschichte. Der Auferstandene sendet die Apostel in die Welt und eröffnet die Mission zu allen Völkern. So beginnt die Kirche, über Israel hinaus universal zu wirken, ohne ihre Wurzeln in Israel zu verlieren. Der Autor zeigt, dass diese Ausweitung große Herausforderungen mit sich brachte. Das Evangelium musste in neue Sprachen und Kulturen übersetzt werden. Zugleich musste verstanden werden, dass die Öffnung zu den Völkern keine Abkehr von Israel bedeutet. Paulus wird in diesem Zusammenhang als zentrale Gestalt dargestellt, weil er das Evangelium in unterschiedliche Lebenswelten hinein übersetzt und dabei sowohl auf die Charismen der Gemeinden als auch auf das Amt setzt, das Einheit und apostolische Kontinuität sichern soll.

Im weiteren Verlauf macht der Artikel deutlich, dass die Kirche nur dann Zukunft gewinnt, wenn sie im Wandel der Zeiten bei Jesus Christus und beim Evangelium bleibt. Dazu braucht es Kontinuität in Lehre, Liturgie und Diakonie. Diese Verantwortung trägt die ganze Kirche, in besonderer Weise aber auch das kirchliche Amt. Das Amt ist nach neutestamentlichem Verständnis kein bloß funktionales Leitungsmodell, sondern geistlich begründeter Dienst. Zugleich kann es nur zusammen mit den Charismen aller Getauften fruchtbar sein. Die Kirche lebt also aus dem Zusammenspiel von Sendung, Amt, Charismen und gemeinsamer Verantwortung.

Im letzten Teil entfaltet Söding daraus den gegenwärtigen Reformbedarf der Kirche. Er greift die zuvor genannten Grundmerkmale des Kircheseins erneut auf und zeigt, wo Erneuerung heute notwendig ist. Die Kirche muss sich stärker auf Christus konzentrieren und dadurch ihr Profil schärfen. Sie muss das Miteinander von Amt und Teilhabe aller Getauften besser sichtbar machen. Sie muss missionarisch werden, besonders im eigenen kulturellen Umfeld. Sie muss ihre Verwurzelung in Israel neu bedenken und ihre Geschichte der Judenfeindschaft kritisch aufarbeiten. Sie muss katholisch im umfassenden Sinn werden und den Blick über die eigene Gemeinde und Gegenwart hinaus weiten. Sie muss sich für die Einheit der Christen einsetzen. Sie muss Gemeinschaft jenseits von Zentralismus und Laizismus verwirklichen. Sie muss in ethischen Fragen glaubwürdig und zugleich von der Liebe Gottes her sprechen. Und sie muss den Dienst am Menschen erneuern, indem sie sich für Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Trost, Barmherzigkeit und spirituelle Orientierung einsetzt.

Insgesamt vertritt der Artikel die These, dass Kirchenreform nur dann fruchtbar ist, wenn sie sich vom Neuen Testament und vom Ursprung in Jesus Christus leiten lässt. Reform bedeutet deshalb nicht Anpassung an Zeitströmungen, sondern geistliche Erneuerung aus dem Ursprung, damit die Kirche in der Gegenwart glaubwürdig und menschenfreundlich leben und wirken kann.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 4. Das Selbstverständnis von Kirche und sein Wandel unter dem Anspruch und der Herausforderung durch die Moderne.

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