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Vandenhoeck Ruprecht | Religion unterrichten

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Menschenbilder zwischen vermenschlichten Robotern und digitalen Modellen vom Menschen

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Artikel ist in dem Heft Religion unterrichten unter dem Titel: „Menschenbilder zwischen vermenschlichten Robotern und digitalen Modellen vom Menschen“ enthalten. Der vorliegende Artikel umfasst 6 Seiten, nämlich Seite 16 bis 21. Armin Grunwald zeigt, wie digitale Technik, künstliche Intelligenz und soziale Roboter nicht nur die Gesellschaft verändern, sondern auch das Bild des Menschen prägen. Der Beitrag macht deutlich, dass technische Entwicklungen Fragen nach Würde, Freiheit, Verantwortung und dem Selbstverständnis des Menschen neu zuspitzen.

Theologische Probleme des Fachartikels sind vor allem die Frage nach dem Menschenbild, nach der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, nach Freiheit und Verantwortung, nach der Abgrenzung zwischen Mensch und Maschine sowie nach der Aufgabe christlicher Ethik angesichts von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und technisierten Zukunftsentwürfen.

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Der Artikel untersucht, wie moderne Technik und besonders künstliche Intelligenz gegenwärtige Menschenbilder verändern. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Menschenbilder Modelle vom Menschen sind. Solche Modelle heben bestimmte Aspekte des Menschseins hervor und blenden andere aus. Anders als physiologische Modelle betreffen Menschenbilder philosophische, kulturelle, anthropologische oder religiöse Deutungen des Menschen. Der Autor zeigt, dass Technik und Menschenbild eng miteinander verbunden sind, weil Technik nicht nur ein Werkzeug bleibt, sondern das Denken, Wahrnehmen und Handeln des Menschen beeinflusst. Menschen richten ihr Leben an technischen Infrastrukturen aus, verändern Gewohnheiten, Lebensstile und sogar Werte. Dadurch wirkt Technik auf die Selbstdeutung des Menschen zurück.

Im digitalen Zeitalter geschieht dies in besonderer Weise durch künstliche Intelligenz und autonome Systeme. Diese Technologien markieren nach Grunwald eine tiefgreifende Zäsur, weil erstmals lernfähige technische Systeme entstehen, die in gewissem Umfang selbstständig handeln und Entscheidungen treffen können. Dazu gehören Roboter, selbstfahrende Autos oder Systeme automatisierter Entscheidungsfindung in Justiz, Polizei, Gesundheitswesen oder Sozialbereich. Solche Systeme stehen nicht mehr einfach als Werkzeug einem handelnden Menschen gegenüber, sondern übernehmen Teilbereiche von Entscheidung und Steuerung. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von Mensch und Technik. Menschen bleiben zwar Handelnde, werden aber zugleich zu Betroffenen technischer Entscheidungen. Daraus entstehen neue Fragen nach Verantwortung und nach dem Selbstverständnis des Menschen.

Ein Schwerpunkt des Artikels liegt auf sozialen Robotern. Diese sind zur Kommunikation und Kooperation mit Menschen entwickelt und treten als künstliche Gefährten oder als Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz auf. Gerade dadurch werden sie leicht vermenschlicht. Menschen sprechen mit ihnen wie mit Personen, schreiben ihnen Eigenschaften wie Freundlichkeit, Treue, Mut oder Entscheidungsfähigkeit zu und behandeln sie teilweise nach menschlichen Mustern. Der Autor nennt Beispiele aus Werbung, Arbeitswelt und Militär, in denen Roboter wie menschenähnliche Wesen dargestellt oder sogar mit Ritualen bedacht werden. Diese Vermenschlichung geschieht nach seiner Einschätzung vor allem durch Sprache und soziale Praxis. Roboter erscheinen dadurch menschlicher, als sie tatsächlich sind.

Grunwald kritisiert diese Sichtweise deutlich. Roboter denken, fühlen und entscheiden nicht im menschlichen Sinn, sondern verarbeiten Daten und führen Rechenoperationen aus. Wenn ihnen dennoch menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden, entsteht eine problematische Verschiebung. Einerseits werden Maschinen aufgewertet, andererseits wird der Mensch abgewertet. Denn wenn Roboter als gleichwertig oder gar überlegen dargestellt werden, erscheint der Mensch zunehmend als defizitär. In Zukunftserzählungen über Lehrkräfte, Richter oder Politiker, die durch Roboter ersetzt werden könnten, zeigt sich diese Tendenz besonders deutlich. Der Mensch droht dann als unvollkommenes Wesen zu erscheinen, das von seinen eigenen technischen Produkten überholt wird.

Umgekehrt beschreibt der Artikel auch eine zweite Bewegung: Nicht nur Roboter werden vermenschlicht, sondern Menschen werden zunehmend als Maschinen verstanden. Der Autor zeichnet dazu die Entwicklung von mechanischen und digitalen Menschenbildern nach. In modernen naturwissenschaftlichen und digitalen Deutungen erscheint der Mensch als informationsverarbeitendes System mit Gehirn, Speicher, Sensoren und Datenleitungen. Als Modell kann eine solche Sichtweise hilfreich sein. Problematisch wird sie aber dann, wenn sie nicht mehr nur ein begrenztes Erklärungsmodell bleibt, sondern als vollständige Beschreibung des Menschen verstanden wird. Dann bleibt kein Raum mehr für Freiheit, Verantwortung, Kreativität oder personale Würde. Der Mensch würde dann als Rechenmaschine erscheinen, deren Verhalten vollständig bestimmt ist.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Vergleich von Mensch und Maschine. Wenn beide derselben Kategorie zugerechnet werden, lassen sie sich nach Leistung, Effizienz und Genauigkeit vergleichen. Dadurch entsteht die Vorstellung, Roboter könnten den Menschen irgendwann vollständig übertreffen. Der Mensch würde dann auf messbare Funktionen reduziert. Grunwald hält dem entgegen, dass gerade diese Reduktion unbegründet ist. Ob Menschsein sich kategorial von Technik unterscheidet, ist für ihn die entscheidende Frage des digitalen Zeitalters.

Im letzten Teil weitet der Artikel die Perspektive auf die Grundfrage nach dem Menschen. Hinter den ethischen Debatten über Technik steht für den Autor immer die Frage, wer der Mensch ist und wer er angesichts digitaler Technik sein will. Technischer Fortschritt löst sowohl Allmachtsfantasien als auch Gefühle der Unterlegenheit aus. Der Mensch erscheint entweder als fast grenzenlos gestaltendes Wesen oder als seiner eigenen Technik unterlegen. Zugleich treten weitere Deutungen hinzu, etwa die Vorstellung vom Menschen als Schädiger der Erde oder als bloße biologische Maschine. Diese unterschiedlichen Erzählungen zeigen, dass der Mensch in der Gegenwart unsicher geworden ist.

Daraus ergibt sich eine besondere Herausforderung für Religionen und Kirchen. Sie sind aufgefordert, zu den Grundfragen des Menschseins Stellung zu nehmen. Der Autor fragt, ob das christliche Menschenbild, besonders die Vorstellung von der Gottesebenbildlichkeit, neue Orientierung geben kann. Die Bibel liefert zwar keine direkten Antworten auf künstliche Intelligenz, Robotik oder digitale Technik. Dennoch sieht Grunwald in einem christlich verstandenen verantwortlichen Mitschöpfertum einen wichtigen Ansatz. Christlicher Glaube kann dazu beitragen, technische Entwicklungen nicht nur nach Nutzen und Effizienz zu beurteilen, sondern nach ihrer Bedeutung für Würde, Verantwortung, Freiheit und das Verhältnis des Menschen zu Gott, zur Welt und zu sich selbst.

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.5 Zukunft der Erde, Zukunft des Menschen und kirchliche Positionen.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 7. Wie sollen/wollen wir leben?.

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