Aus der Sicht des Betroffenen formuliert der Film Sätze wie: „Ich verlier’ den Verstand. Das muss man sich erst mal bewusst machen.“ – und erreicht so eine besondere Authentizität. Die Darstellung eröffnet einen emotionalen und ethischen Zugang zum Thema Demenz, der Zuschauerinnen und Zuschauer herausfordert, ihre eigenen Bilder und Bewertungen zu hinterfragen. Unterstützt durch ein reichhaltiges Begleitmaterial – von Hintergrundinformationen über Arbeitsblätter bis hin zu konkreten Methoden für Unterricht und Gespräch – lässt sich der Film differenziert erschließen.
Im katholischen Religionsunterricht eignet sich der Film ab Klasse 7 für eine sensible Auseinandersetzung mit Themen wie Würde des Menschen, Identität, Vergänglichkeit, Solidarität, Pflege, Generationenverhältnis, Hilfsbedürftigkeit und christliches Menschenbild. Besonders die Frage, wie wir mit Menschen umgehen, deren Fähigkeiten nachlassen, lässt sich aus theologischer Perspektive fruchtbar bearbeiten: Was macht einen Menschen „wertvoll“, wenn Sprache, Logik und Erinnerung verblassen? Was bedeutet „Mensch sein“ in der Abhängigkeit? Welche Haltung fordert der christliche Glaube im Umgang mit Schwäche und Verletzlichkeit?
Didaktisch bietet sich ein gestufter Zugang an – vom Assoziieren über Gesprächsrunden bis zu kreativen Gestaltungsformen. Die im Material vorgeschlagenen Sequenzunterbrechungen, Rollenzuweisungen und Reflexionsaufgaben eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur individuellen und gemeinschaftlichen Verarbeitung. Auch biblische Bezüge (z. B. Heilung von Kranken, das Bild des barmherzigen Samariters oder das Gottesbild eines mitgehenden und tragenden Gottes) können eingebunden werden.
„Ich verlier’ den Verstand“ ist mehr als ein Film über Demenz – er ist ein Beitrag zur Menschenkunde, zur Ethik des Mitgefühls und zur spirituellen Auseinandersetzung mit Verletzlichkeit, Alter und Menschlichkeit. Ein wertvoller Impuls für einen Religionsunterricht, der Haltung bilden will.