Der Artikel ist als Interview gestaltet und beschreibt einen neuen Ansatz zur Schulpastoral im Bistum. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Schule für Kinder und Jugendliche immer stärker zum zentralen Lebensraum wird, weshalb kirchliches Handeln sie dort aufsuchen müsse, auch wenn Ressourcen knapper werden. Klassische Schulpastoral wird als kirchliches Engagement über den Religionsunterricht hinaus beschrieben, zum Beispiel Gottesdienste zum Schuljahresbeginn oder Orientierungstage. Dieses Feld soll weiterhin gestärkt werden, ebenso vielfältige bestehende Aktivitäten wie Angebote von Jugendkirchen, schulnaher Jugendarbeit oder Schulsozialarbeit. Der neue Akzent liegt jedoch darauf, staatliche Religionslehrkräfte stärker für schulpastorale Initiativen zu gewinnen und sie dabei nicht nur zu fordern, sondern gezielt zu fördern.
Im Zentrum steht die Idee, dass Religionsunterricht erfahrungsorientierter werden soll. Religion soll nicht nur als Stoff behandelt werden, über den man spricht oder den man auswendig lernt, sondern als Wirklichkeit, die Lernende mit verschiedenen Sinnen und Zugängen erkunden können. Gemeint ist ein Unterricht, der ausprobiert, wie Religion sich anfühlt, wie sie aussieht, riecht und klingt, wie sie jubelt und klagt, und der Religion spielerisch, ästhetisch und rituell einübt. Dabei sollen sowohl tragende als auch tragische Dimensionen von Religion aktiv ausgelotet werden, ebenso spirituelle und diakonisch caritative Seiten. Der Ansatz wird als mystagogisch performativ beschrieben, also als ein Weg, der religiöse Erfahrung anbahnen will, ohne sie zu erzwingen.
Konkret bietet das Dezernat Fortbildungsmodule an, die zeigen, wie normale Lehrplaninhalte glaubenspraktisch und erfahrungsorientiert unterrichtet werden können. Zusätzlich werden schulische Projekte über den Religionsunterricht hinaus begleitet. Die Fortbildung ist bewusst nicht als fixes Kursprogramm angelegt. Stattdessen wird mit interessierten Lehrkräften ein passgenaues Programm entwickelt, das an eine konkrete Projektidee im eigenen Unterricht oder an der eigenen Schule geknüpft ist. Diese Fortbildung kann vor Ort stattfinden, wird fachlich begleitet, evaluiert und zertifiziert. Langfristig kann daraus ein Zertifikat als Religionslehrkraft mit schulpastoraler Qualifizierung entstehen. Für Sachmittel oder Entlastungsstunden wird ein längerfristiges Projekt erwartet, das weitere Beteiligte in und um Schule einbezieht und auch mit Schulleitung, Fachkonferenz oder gegebenenfalls Kirchengemeinde rückgekoppelt wird.
Als mögliche Projektfelder werden Liturgie und Diakonie genannt, außerdem Kirchenjahr, Heilige, Sakramente, Gebet, Meditation, Bibel und Kirchengeschichte. Auch Symboldidaktik und Kirchenraumpädagogik werden als etablierte Zugänge erwähnt. Denkbar sind Räume der Stille, schulische Tage der Besinnung, Gottesdienste, Beiträge zu Projektwochen sowie Impulse für Schulkultur etwa in Zusammenarbeit mit Musik, Kunst oder Theater. Religion kann nach diesem Konzept helfen, Anlässe wie Abschied und Neubeginn oder gesellschaftliche Erschütterungen in der Schule zu begleiten und zu deuten.
Ein wichtiger Teil des Interviews ist die Auseinandersetzung mit möglichen Einwänden. Auf die Frage nach Anreizen werden Entlastungsstunden, finanzielle Sachmittel, individuelle Fortbildung und Unterstützung durch Personen aus Kirchengemeinden genannt, verbunden mit der Hoffnung auf mehr Zufriedenheit in der Berufsrolle. Kritisch wird gefragt, ob schulpastorale Initiativen im Unterricht nicht eher Katechese und Mission seien und wie das zum Leistungscharakter des Faches passe. Die Antwort unterscheidet klar zwischen der Bewertung von persönlichem Glauben, die nicht Aufgabe der Schule sei, und der Bewertung von Lernleistungen. Bewertet werden könne der Gesamtversuch, liturgische Haltungen kennen zu lernen, zu verstehen, körperlich zu erproben, sich innerlich einmal hinein zu fühlen und dies deutend zu reflektieren. Ähnliches gelte für praktische Projekte, etwa diakonische Projektarbeit. Gegen den Vorwurf von Mission wird betont, dass glaubenspraktischer Unterricht nicht manipulativ sein dürfe und niemand vereinnahmen solle. Gleichzeitig müsse Unterricht in jedem Fach Lernende herausfordern und zum Erproben einladen, auch wenn sie unmotiviert oder unsicher sind. Deshalb dürfe auch Religionsunterricht einladend und herausfordernd sein, ohne Zwang auszuüben. Abschließend wird die traditionelle Trennung zwischen schulischem Religionsunterricht als Wissensvermittlung und gemeindlicher Katechese als existenzieller Berührung als in Teilen überholt beschrieben. Religiöse Bildung brauche immer auch existenzielle Berührung, doch der Religionsunterricht müsse diese Dimension heute zumindest mit anbahnen und dürfe sich nicht vollständig heraushalten.