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Madeleine Delbrêl – eine Heldin des Alltags?

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Madeleine Delbrêl – eine Heldin des Alltags?“ von Ilona Biendarra ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa zwei Seiten. Der Beitrag untersucht, ob und in welcher Weise die französische Mystikerin, Sozialarbeiterin und Schriftstellerin Madeleine Delbrêl als eine Form moderner christlicher Heldin verstanden werden kann. Im Mittelpunkt stehen ihr Leben in einer säkularen und kommunistisch geprägten Umgebung sowie ihre Spiritualität des Glaubens im Alltag. Der Artikel behandelt theologische Fragen nach christlichem Heldentum im Alltag, nach Glaubenszeugnis in einer säkularisierten Welt, nach christlicher Freiheit und nach dem Verhältnis von Evangelisierung und menschlicher Freiheit im Glauben.

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Der Artikel beginnt mit Überlegungen zum Begriff des Heldentums. Historische Figuren wie Johanna von Orléans oder moderne Beispiele von mutigen Menschen zeigen, dass Heldentum in unterschiedlichen Formen auftreten kann. Auch im religiösen Bereich wird gefragt, ob es heute noch möglich ist, von Heldinnen und Helden zu sprechen. In diesem Zusammenhang wird die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl als mögliche Heldin des Alltags vorgestellt.

Madeleine Delbrêl wurde 1904 in Frankreich geboren und erhielt zunächst eine katholische Erziehung. In ihrer Jugend wandte sie sich jedoch vom Glauben ab und wurde überzeugte Atheistin. Nach einer tiefgreifenden persönlichen Bekehrung fand sie erneut zum christlichen Glauben zurück. Im Jahr 1933 zog sie mit zwei Freundinnen in die Arbeiterstadt Ivry bei Paris. Diese Stadt war stark von kommunistischen und marxistischen Ideen geprägt. Dort arbeitete Delbrêl als Sozialarbeiterin und lebte gemeinsam mit einer kleinen Gemeinschaft von Frauen. Sie entschieden sich bewusst für ein Leben mitten unter den Menschen und wollten ihren Glauben im Alltag leben. Ihr Christsein zeigte sich nicht durch äußere Besonderheit, sondern durch eine stille Präsenz im gewöhnlichen Leben.

Zunächst erscheint dieses Leben eher unspektakulär. Dennoch stellt sich die Frage, ob gerade darin eine besondere Form von Heiligkeit oder Heldentum sichtbar wird. Der Artikel beschreibt zwei zentrale Merkmale, die Delbrêl als eine solche Heldin auszeichnen.

Ein erstes Merkmal ist ihre Freiheit. Diese Freiheit ist religiös begründet und bedeutet eine radikale Offenheit für Gott. Delbrêl versteht ihr Leben als ganz Gott gehörig. Diese Haltung führt dazu, dass sie auch frei wird für andere Menschen und für den Dienst an Kirche und Gesellschaft. Ihre Freiheit besteht nicht in Unabhängigkeit, sondern in der Bereitschaft, Gottes Willen im Alltag zu suchen und umzusetzen.

Diese Haltung zeigt sich auch in den Texten, die Delbrêl über das Leben von christlichen Gemeinschaften verfasst hat. In ihrem Werk über Laiengemeinschaften beschreibt sie Menschen, die Christus in ihrem Alltag folgen und bereit sind, sich immer wieder neu von Gott führen zu lassen. Für sie bedeutet christliches Leben, Gottes Willen zu suchen und das Evangelium in den konkreten Situationen des Alltags zu verwirklichen.

Der Artikel stellt diese Freiheit in Verbindung mit neutestamentlichen Aussagen, insbesondere mit Worten des Apostels Paulus. Paulus betont, dass das Leben der Christen ganz Christus gehört. In dieser Zugehörigkeit zu Christus liegt die Grundlage christlicher Gemeinschaft. Leben und Sterben stehen unter dem Zeichen der Verbindung mit Christus. Diese Perspektive prägt auch die Spiritualität Delbrêls.

Ihre Alltagsspiritualität zeichnet sich dadurch aus, dass sie in jedem Augenblick mit der Gegenwart Gottes rechnet. Sie sucht aufmerksam nach dem Willen Gottes im alltäglichen Leben und versteht den Glauben als gelebte Beziehung zu Gott. Ein Gebet von ihr bringt diese Haltung besonders deutlich zum Ausdruck. Darin erklärt sie ihre Bereitschaft, Gottes Willen anzunehmen, ohne vorher zu prüfen, ob sie dazu fähig ist oder ob sie es persönlich möchte.

Ein zweites Merkmal ihres Heldentums beschreibt der Artikel mit dem Bild des Geladenseins. Delbrêl vergleicht Christen mit elektrischen Leitungen. Sie tragen etwas in sich, das nicht aus ihnen selbst kommt. Dieses Bild beschreibt die Erfahrung, von Gott erfüllt zu sein und dadurch für andere Menschen da zu sein. Christen stehen dabei in einer Spannung. Sie leben mitten in der Welt und gehören gleichzeitig in besonderer Weise zu Gott.

Diese Spannung zeigt sich auch in Delbrêls Lebenssituation. Nachdem sie selbst eine Zeit lang Atheistin war, lebte sie später bewusst in einer Umgebung, die stark von atheistischen Überzeugungen geprägt war. Gerade dort wollte sie ihren Glauben leben und sichtbar machen. Dabei verstand sie Evangelisierung nicht als Zwang oder Überredung, sondern als Zeugnis. Menschen können den Glauben verkünden, aber sie können ihn niemandem schenken. Der Glaube selbst bleibt ein Geschenk Gottes.

Der Artikel betont, dass Delbrêls Erfahrungen auch für heutige Christen bedeutsam sein können. Ihr Leben zeigt, dass Glauben auch in einer säkularisierten Gesellschaft möglich ist. Entscheidend ist dabei die Offenheit für Gott und die Bereitschaft, den Glauben im Alltag zu leben.

Abschließend wird ihr Heldentum noch einmal zusammengefasst. Es besteht einerseits in ihrer Freiheit für Gott und andererseits in ihrer inneren Erfüllung durch Gottes Gegenwart. Diese beiden Aspekte ermöglichen ein Leben des Glaubens mitten im Alltag. Dadurch wird deutlich, dass christliches Heldentum nicht nur in außergewöhnlichen Taten besteht, sondern auch im treuen Leben des Glaubens im gewöhnlichen Alltag sichtbar werden kann.

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