Im Interview berichtet Ralf Knoblauch über seine Arbeit als Bildhauer, der vor allem Königsskulpturen aus Holz herstellt. Seine Werkstatt versteht er als einen Ort der inneren Auseinandersetzung und des Gebets. Die Arbeit an den Figuren ist für ihn ein kontemplativer Prozess, der stark mit seinem Glauben verbunden ist. In diesem Prozess ringt er auch mit Gott und reflektiert seine Berufung. Die regelmäßige und strukturierte Arbeit an den Figuren ist für ihn Teil seines spirituellen Lebens.
Knoblauch bezeichnet sich bewusst nicht als Künstler, obwohl er Bildhauer ist. Er möchte sich nicht dem kreativen Leistungsdruck aussetzen, den viele Künstler erleben. Statt ständig neue Ideen entwickeln zu müssen, konzentriert er sich bewusst auf seine Königsskulpturen. Für ihn steht nicht die künstlerische Innovation im Vordergrund, sondern die spirituelle und symbolische Bedeutung seiner Arbeit. Das wiederholte Arbeiten an den Königsfiguren versteht er als einen ritualisierten und meditativen Prozess.
Seine Tätigkeit ist eng mit seiner pastoralen und diakonischen Arbeit verbunden. Für Knoblauch entsteht aus dieser Verbindung eine besondere Dynamik. Die Figuren sind für ihn eine Form der Verkündigung des christlichen Glaubens. Durch die Königsfiguren möchte er Räume schaffen, in denen Menschen über den christlichen Glauben und über ihre eigene Würde nachdenken können.
Die Vorstellung der Berufung spielt für ihn eine wichtige Rolle. Er empfindet es als großes Geschenk, dass er sein Charisma leben kann. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass viele Menschen ihre Berufung nicht verwirklichen können, weil äußere Bedingungen dies verhindern. Dadurch können Talente und Fähigkeiten ungenutzt bleiben. Knoblauch sieht sich deshalb in einer privilegierten Situation und ist dafür dankbar.
Sein theologisches Denken beeinflusst auch seine bildhauerische Arbeit. Er sieht sich nicht als jemand, der lange theologische Texte formuliert oder ausführliche Argumentationen führt. Stattdessen drückt er seine theologischen Überzeugungen in praktischen Handlungen und in der Gestaltung der Skulpturen aus. Besonders wichtig ist ihm dabei die Nähe zu den Menschen. In dieser Nähe erlebt er seine Berufung besonders deutlich.
Beim Entstehungsprozess der Figuren arbeitet Knoblauch ohne vorherige Skizzen. Dennoch hat er im Kopf eine klare Vorstellung davon, ob eine Figur ein König oder eine Königin wird oder ob das Geschlecht offen bleibt. Auch die Position der Krone ist von Anfang an festgelegt. Der kreative Prozess endet für ihn mit dem Gesichtsausdruck der Figur, da dieser die Ausstrahlung und Persönlichkeit der Figur bestimmt. Danach folgen handwerkliche Schritte wie die Vergoldung und Bemalung.
Viele Figuren entstehen aus konkreten Begegnungen mit Menschen oder aus bestimmten Situationen. Dadurch haben einige Skulpturen für ihn eine besondere persönliche Bedeutung. Manche Figuren bleiben deshalb in seiner Nähe, während andere an unterschiedliche Orte weitergegeben werden und dort ihre Wirkung entfalten.
Im Interview wird auch die Kritik angesprochen, seine Königsfiguren könnten das Thema der Menschenwürde verharmlosen. Knoblauch widerspricht dieser Einschätzung. Für ihn sind die Figuren politisch und gesellschaftlich relevant. Sie werden in verschiedenen Kontexten eingesetzt, etwa bei gesellschaftlichen Diskussionen über Populismus oder Rechtsextremismus. In manchen Städten dienen die Figuren als Impulsgeber für Gespräche über ethische Fragen und gesellschaftliche Verantwortung.
Auch das Thema Klimawandel spielt in seinem Projekt eine Rolle. Schülerinnen und Schüler haben seine Figuren bei Demonstrationen der Bewegung Fridays for Future mitgeführt. Dadurch wird die Frage gestellt, wie der Mensch als Krone der Schöpfung mit der Erde umgehen soll. Die Figuren sollen Menschen dazu anregen, über ihre Verantwortung für die Schöpfung nachzudenken.
Knoblauch verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung aufruft. Er stellt jedoch fest, dass die Umsetzung dieser Gedanken in der Praxis noch zu wenig sichtbar ist.
Insgesamt versteht Knoblauch seine Königsskulpturen als Zeichen für die Würde jedes Menschen. Sie sollen Menschen daran erinnern, dass jeder Mensch eine eigene Würde besitzt und dass Menschen füreinander Verantwortung tragen. Seine Arbeit verbindet daher Spiritualität, gesellschaftliche Verantwortung und praktische Verkündigung.