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ChatGPT & Co. im Praxis-Check

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Fachartikel ist im Heft RU heute 01 02 2023 unter dem Titel „Die Hausaufgaben sind tot“ enthalten und umfasst 4 Seiten, Seiten 45 bis 48.

Der Beitrag beschreibt aus der Praxisperspektive, wie textgenerierende KI wie ChatGPT, Bing und weitere Anwendungen im Religionsunterricht erprobt werden können. Lehrkräfte ignorieren oder verbieten die Technik nicht, sondern testen sie als Assistenz für Planung, Materialerstellung, Aufgabenformulierung und Lernen und zeigen dabei, dass gutes Prompting und kritische Prüfung entscheidend sind.

Theologisch relevante Problemfelder sind Fragen nach Wahrheit und Verlässlichkeit von Informationen, Verantwortung und Urteilsfähigkeit beim Umgang mit KI Antworten, die Rolle menschlicher Deutung beim Arbeiten mit Bibeltexten, ethische Fragen zu Datenschutz und Macht über Daten, sowie sozialethische Fragen am Beispiel katholischer Soziallehre und der Gefahr, dass Aufgaben ohne echte Transferleistung erledigt werden.

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Die Hausaufgaben sind tot eine mehrfach gedruckte Schlagzeile, die Lehrkräfte zu Jahresbeginn aufhorchen ließ. Der Artikel schildert, wie die erste Begegnung mit sprachgewandter KI über Medienberichte verlief, die zwischen Heilsversprechen und Untergangsszenarien schwanken. Besonders der Bildungsbereich geriet unter Druck, weil textgenerierende Systeme Plagiate schwer erkennbar machen und weil ChatGPT mit dem Bestehen anspruchsvoller Prüfungen bis hin zum bayerischen Abitur für Aufsehen sorgte. Im schulischen Alltag entstand daraus weniger ein Lagerkampf, sondern eine pragmatische gemeinsame Linie mit drei Einsichten: nicht ignorieren, nicht verbieten, gemeinsam nutzen. Zugleich bleibt die Frage offen, wie man praktisch mit solchen Systemen arbeitet und welche Unterstützung sie im Unterricht tatsächlich leisten. Deshalb unterziehen ein Lehrer für Fachpraxis und eine Religionslehrerin verschiedene KI Anwendungen einem Praxistest im Fach Religion und dokumentieren ihre Erfahrungen. Zentral ist dabei das Prompting, also das Formulieren von Anweisungen, mit denen Nutzer die KI im Dialog steuern. Der Artikel zeigt, dass Prompting gelernt werden muss und dass gute Ergebnisse oft erst durch mehrfaches Nachschärfen der Eingabe entstehen.

Im ersten Test wird ein Werkzeug vorgestellt, mit dem man mit PDF Texten dialogisch arbeiten kann. Nach dem Hochladen lassen sich Fragen an den Text stellen und die KI beantwortet sie auf Grundlage der Inhalte. Das kann für Lernende eine Alternative zu Markieren und Zusammenfassen sein. Gleichzeitig werden Grenzen sichtbar, etwa wenn Tabellen im Dokument nicht zuverlässig verarbeitet werden. Trotzdem wird das Prinzip als motivierend beschrieben, weil man sich mit einem Text wie in einem Gespräch auseinandersetzen kann und weil der Zugang auch für unterschiedliche Lerngruppen niedrigschwellig ist. Als zweite Aufgabe wird das Erstellen eines kompetenzorientierten Arbeitsplans erprobt. Ein detaillierter Prompt zum Thema Nächstenliebe in einer berufsbildenden Schule führt zu einem strukturierten Entwurf mit Unterrichtseinheiten, Methoden, Sozialformen und Materialideen. Das Ergebnis ist kein fertiges Meisterstück, aber ein brauchbares Grundgerüst, das Zeit spart und zur Weiterarbeit anregt. Der Artikel macht dabei deutlich, dass umfangreiche und präzise Prompts nötig sind und dass die Qualität der Ausgabe eng an die Qualität der Eingabe gekoppelt ist.

Als dritte Aufgabe werden Bibeltexte in andere Sprachformen übertragen, um Verstehen und Perspektivwechsel zu unterstützen. Am Beispiel der Erzählung vom barmherzigen Samariter sollen Erlebnisberichte aus Sicht einzelner Figuren entstehen. Der Vergleich zeigt, dass verschiedene Systeme trotz ähnlicher Grundlage zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ein Tool schreibt eher kurz und einfach, ein anderes ausführlicher, sprachlich anspruchsvoller und ergänzt Deutungen. Daraus folgt die Empfehlung, Aufgaben parallel auszuprobieren und das passende System für die Lerngruppe zu wählen. Die vierte Aufgabe betrifft die Entwicklung von Fragen, etwa Multiple Choice Fragen zum Leseverständnis oder Gesprächsfragen für eine multireligiöse Berufsschulklasse. Hier wird besonders deutlich, dass Kontextangaben im Prompt die Qualität stark erhöhen. Je konkreter der Auftrag, desto zielgenauer werden die Fragen. Der Artikel bündelt daraus Regeln für gute Prompts: klare Trennung von Auftrag und Material, Benennung von Zielgruppe und Setting, Festlegung des gewünschten Formats und gegebenenfalls das Einfügen des Ausgangstextes.

Didaktisch wird daraus eine klare Schlussfolgerung gezogen: Wenn Lernende mit KI arbeiten, wird Prompting selbst zum Unterrichtsgegenstand. Schülerinnen und Schüler sollen Prompts formulieren, Antworten prüfen, Prompts anpassen und so schrittweise bessere Ergebnisse erzielen. Dabei bleibt die Lehrkraft in einer kritischen Führungsrolle, weil KI regelmäßig falsche Fakten produziert und weil Fehler aus Zuordnungen, Übersetzungen, Datenlücken und der Unschärfe der sprachbasierten Modelle entstehen. Als größeres praktisches Hindernis beschreibt der Artikel den Datenschutz. Viele Dienste verlangen Registrierung und beanspruchen die erzeugten Daten. Für schulische Nutzung werden deshalb Wege diskutiert, wie man Zugänge mit schulischen Konten organisiert, wobei manche Systeme zusätzliche Hürden wie Telefonnummern setzen und andere eine einfachere Einrichtung erlauben.

Im zweiten Teil wird die Perspektive der Lernenden betrachtet, vor allem beim Recherchieren, beim Schreiben und beim Vorbereiten auf Leistungssituationen. Beim Recherchieren zeigt sich, dass chronologische Lebensläufe oder Faktenübersichten zwar schnell entstehen, aber Fehler enthalten können. Deshalb müssen Angaben mit weiteren Quellen überprüft werden. Ein sinnvoller Folgeweg ist, die KI nach Vergleichsquellen zu fragen und dann abzugleichen. Beim Schreiben wird deutlich, dass klassische Hausaufgaben wie das Nennen und Erklären von Prinzipien der katholischen Soziallehre durch KI in Sekunden erledigt werden können, was Aufgabenformate verändert. Der Artikel empfiehlt daher Aufträge zu erweitern, damit Transfer und Zuordnung gefordert werden, etwa das Vergleichen historischer Forderungen mit Prinzipien oder das Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten. Solche Transferaufgaben sind für KI schwerer und verlangen menschliches Denken. Besonders positiv wird das Lernen mit KI für Prüfungen beschrieben, weil dialogische Abfragen, alternative Erklärungen und gestufte Fragen motivieren können. Lernende können sich Fragen stellen lassen, Rückmeldungen anfordern, Begriffe in einfacher Sprache klären und Antworten zum Vergleich ausgeben lassen.

Am Ende zieht der Beitrag ein ausgewogenes Fazit. KI kann Unterrichtsvorbereitung, Unterrichtsdurchführung und Nachbereitung sinnvoll ergänzen, wenn kritisch geprüft wird und wenn Prompting sowie Quellenprüfung systematisch eingeübt werden. Zugleich stößt KI einen Lernprozess an, der vom passiven Wiederholen zum aktiven Fragenstellen und Überprüfen führt. Gerade deshalb wird die Hausaufgabe nicht als tot verstanden, sondern als Chance, neue Lernprozesse auszulösen, wenn KI gezielt als Unterstützung genutzt wird, ohne dass sie die notwendige menschliche Urteils und Transferleistung ersetzt.

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