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Prozesstheologie – Gott als Entwicklungshelfer?

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel stellt die Prozesstheologie als moderne theologische Denkrichtung vor, die Gott nicht als unveränderlich, sondern als dynamisch und mit der Welt mitgehend versteht. Behandelt werden zentrale theologische Probleme wie das Verhältnis von Gott und Welt, die Neubestimmung von Gottes Allmacht, die Verbindung von Evolution und Schöpfung sowie das Verständnis Gottes als liebendes, sich entwickelndes Wesen.

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Der Artikel erläutert die Prozesstheologie als einen Ansatz innerhalb der neueren Theologie, der die Welt nicht als statisch, sondern als dynamischen Prozess versteht. Ausgangspunkt ist die Philosophie von Alfred North Whitehead, die davon ausgeht, dass Wirklichkeit durch Veränderung und Beziehung geprägt ist. Diese Perspektive wird von verschiedenen Theologinnen und Theologen aufgenommen und in christliches Denken übersetzt.

Im Zentrum steht zunächst das Verhältnis von Gott und Welt. Die Prozesstheologie lehnt sowohl eine vollständige Trennung als auch eine völlige Gleichsetzung ab. Stattdessen vertritt sie einen panentheistischen Ansatz, nach dem alles in Gott enthalten ist, ohne dass Gott mit der Welt identisch ist. Gott ist in allem gegenwärtig und zugleich mehr als die Welt. Dadurch entsteht ein Modell, in dem Gott und Welt untrennbar miteinander verbunden sind.

Ein weiterer wichtiger Gedanke ist die Vorstellung eines werdenden Gottes. Gott wird nicht mehr als unveränderlich gedacht, sondern als ein Wesen, das sich im Laufe der Zeit entwickelt. Da die Welt sich ständig verändert, verändert sich auch Gott in Beziehung zu ihr. Gott reagiert auf das Geschehen und wird selbst von den Ereignissen beeinflusst. Damit verbunden ist eine Neubestimmung der Allmacht. Gott handelt nicht durch Zwang, sondern ermöglicht Freiheit und Entwicklung. Die Welt wird als Raum verstanden, in dem Geschöpfe eigenständig handeln und Entscheidungen treffen können.

Die Prozesstheologie verbindet außerdem Evolution und Schöpfung. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht als Gegensatz zum Glauben gesehen, sondern als Teil des göttlichen Wirkens. Schöpfung wird als fortlaufender Prozess verstanden, in dem ständig Neues entsteht. Gott wirkt dabei nicht punktuell, sondern kontinuierlich in allen natürlichen Prozessen.

Schließlich wird Gott wesentlich als Liebe beschrieben. Besonders Charles Hartshorne betont, dass Gott in Beziehung zur Welt steht und an ihrem Ergehen teilnimmt. Gott leidet mit den Geschöpfen und freut sich mit ihnen. Die göttliche Liebe unterscheidet sich von der menschlichen vor allem durch ihre Unbegrenztheit. Menschen werden als Mitwirkende an der Schöpfung verstanden, deren Handeln Einfluss auf Gott hat. So entsteht ein wechselseitiges Verhältnis, in dem Gott und Welt aufeinander bezogen sind und gemeinsam an der Entwicklung der Wirklichkeit beteiligt sind.

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