Die Unterrichtsstunde „Max Frisch: Du sollst dir kein Bildnis machen“ mit sieben Seiten verbindet einen Textauszug aus Frischs Tagebüchern mit dem biblischen Bilderverbot aus dem Buch Exodus. Frisch beschreibt die Liebe als einen Zustand des offenen Staunens, in dem der geliebte Mensch ständig neu und unverfügbar bleibt. Wer liebt, hält den anderen in seiner Lebendigkeit aus und vermeidet es, ihn auf ein festes Bild festzulegen. Sobald man meint, den anderen „zu kennen“, endet die Liebe, denn sie verliert ihre Kraft, sich auf neue Seiten des anderen einzulassen. Dieses „Bildnis-Machen“ bezeichnet Frisch als Verrat am Lebendigen. Der Text stellt so eine Parallele zum biblischen Bilderverbot her: Wie Gott nicht in ein Bild gepresst werden darf, weil er unbegreiflich und grenzenlos ist, so darf auch der Mensch in seiner Einzigartigkeit nicht auf ein starres Bild reduziert werden. Die beigefügten Aufgaben fordern Schülerinnen und Schüler dazu auf, diesen Zusammenhang zwischen dem Bilderverbot, dem Monotheismus und dem Verständnis von Liebe zu reflektieren. Sie regen dazu an, über Frischs Sichtweise nachzudenken, seine Gedanken auf den Glauben und die Nächstenliebe zu übertragen und kritisch zu prüfen, inwiefern Frisch als agnostischer Atheist eine religiöse Metapher verwendet, um das Geheimnis der Liebe zu verdeutlichen.