Für den Religionsunterricht ist das Video in besonderer Weise geeignet, weil es Geschichte, Religion und Biografie miteinander verbindet. Lernenden begegnen dem Judentum hier nicht nur über Begriffe und Sachinformationen, sondern über eine konkrete Lebensgeschichte. Dadurch wird jüdisches Leben als lebendige Wirklichkeit sichtbar und nicht nur als Thema der Vergangenheit oder der Verfolgung. Didaktisch bietet sich das Medium vor allem für Unterrichtseinheiten zu Judentum, jüdischem Leben in Deutschland, Erinnerungskultur, Identität, Heimat, Exil und Nationalsozialismus an. Methodisch empfiehlt es sich, den Film oder den zugrunde liegenden Text abschnittsweise zu erschließen. So können Lernenden zunächst Stationen aus Ernas Leben ordnen und diese in Beziehung zu historischen Entwicklungen setzen. Sehr sinnvoll ist eine Arbeit mit Leitfragen, etwa wie jüdisches Leben in Frankfurt vor 1933 aussah, welche Rolle religiöse Praxis im Alltag spielte, wie Ausgrenzung erlebt wurde und was Heimat für Erna Goldmann bedeutete. Ebenso kann mit einer Zeitleiste gearbeitet werden, auf der persönliche Lebensereignisse und politische Entwicklungen parallel eingetragen werden. Dadurch erkennen Lernenden besonders gut, wie eng individuelles Schicksal und Geschichte miteinander verflochten sind. Auch eine Perspektivarbeit ist gewinnbringend, etwa durch das Verfassen eines inneren Monologs aus Sicht Ernas vor der Ausreise oder nach der Rückkehr zu einem Besuch nach Frankfurt. Im Unterrichtsgespräch kann außerdem thematisiert werden, wie sich Identität verändert und wie Menschen mehrere Zugehörigkeiten zugleich erleben können. Das Medium eröffnet zudem Möglichkeiten für fächerverbindendes Arbeiten mit Geschichte, Politik und Ethik. Wichtig ist dabei eine sensible Begleitung, weil Flucht, Verlust, Antisemitismus und Verfolgung emotional belastende Themen sein können. Die Lehrkraft sollte deshalb Räume für Reflexion schaffen und darauf achten, dass jüdisches Leben nicht auf Leidensgeschichte reduziert wird, sondern ebenso in seiner kulturellen, religiösen und familiären Vielfalt wahrgenommen wird. So kann das Medium zur historischen Bildung, zur Empathiefähigkeit und zur Auseinandersetzung mit religiöser und kultureller Identität in besonderer Weise beitragen.