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Eulenfisch

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Heimat deine Sterne – wie Heimat Glaube prägt

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel „Heimat, deine Sterne – wie Heimat Glaube prägt“ von August Heuser ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 3 Seiten (S. 69–71). Der Beitrag untersucht den Zusammenhang von Heimat und religiöser Identität und fragt, wie regionale, kulturelle und sprachliche Prägungen den christlichen Glauben beeinflussen. Der Artikel behandelt theologische Probleme wie die Spannung zwischen universaler Weltkirche und regionaler Glaubenspraxis, die Bedeutung kultureller Ausdrucksformen des Glaubens sowie die Frage, wie religiöse Beheimatung im Religionsunterricht ermöglicht werden kann.

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Der Artikel geht von dem bekannten Lied Heimat deine Sterne aus, das in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts populär war. Obwohl es als kitschig gelten kann, bringt es ein grundlegendes menschliches Gefühl zum Ausdruck. Heimat wird darin mit Himmel, Geborgenheit und Liebe verbunden. Diese Verbindung zeigt, dass Heimat auch eine religiöse Dimension besitzt. In der theologischen Sprache kommt der Begriff Heimat zwar kaum vor, weil sich die römische Kirche als katholisch und damit als weltumspannend versteht. Dennoch ist Religion in der Praxis immer von bestimmten Orten, Kulturen und Traditionen geprägt.

Der Autor zeigt, dass diese Verbindung von Religion und Heimat bereits im frühen Christentum sichtbar ist. Die Ostkirchen sind bis heute stark regional strukturiert und in verschiedene nationale Kirchen gegliedert. Auch im Neuen Testament wird Kirche häufig an bestimmten Orten beschrieben. Paulus schreibt an die Gemeinden in Korinth, Rom oder Thessaloniki. Kirche wird dadurch mit konkreten Orten und Gemeinschaften verbunden.

Auch die Gestalt Jesu wird im Neuen Testament geografisch verortet. Jesus wird als Nazarener oder als Galiläer bezeichnet. Viele Geschichten des Neuen Testaments sind an konkrete Orte gebunden, etwa an Bethlehem, Jerusalem, den See Genezareth oder Emmaus. Diese Ortsangaben zeigen, dass religiöse Erfahrungen immer in bestimmten Lebensräumen stattfinden. Orte stehen dabei zugleich für soziale, kulturelle und religiöse Erfahrungen.

Aus dieser Beobachtung entwickelt der Autor die These, dass es viele verschiedene Formen christlicher Heimat gibt. Diese Vielfalt wird besonders deutlich, wenn man die unterschiedlichen christlichen Gemeinden betrachtet, die heute in Deutschland existieren. In einer Stadt wie Frankfurt werden Gottesdienste in zahlreichen Sprachen gefeiert. Hinter jeder Sprache steht eine eigene religiöse Ausdrucksform mit eigenen Symbolen, Traditionen und kulturellen Prägungen.

Im schulischen Religionsunterricht wird diese Vielfalt jedoch oft wenig berücksichtigt. Häufig wird stillschweigend davon ausgegangen, dass alle christlichen Lernenden die westliche Form von Festen und Bräuchen kennen. Andere Traditionen wie unterschiedliche Ostertermine oder kulturelle Ausdrucksformen aus anderen Herkunftsländern werden selten thematisiert. Auch religiöse Bilder und Symbole besitzen unterschiedliche kulturelle Bedeutungen. Eine Marienfigur aus Portugal, eine barocke Madonna aus Süddeutschland oder eine russische Ikone vermitteln jeweils unterschiedliche religiöse Erfahrungen.

Der Autor betont deshalb, dass Religion immer aus dem Ort hervorgeht, an dem sie gelebt wird. Eine allgemeine, ortslose Religion wäre lebensarm. Lebendige Religion entsteht in Familien, Gemeinden, Landschaften und kulturellen Traditionen. Religiöse Erfahrungen sind mit konkreten Orten wie Kapellen, Kirchen oder Friedhöfen verbunden.

Aus dieser Perspektive erhält der Religionsunterricht eine besondere Aufgabe. Er kann dazu beitragen, religiöse Beheimatung zu ermöglichen. Dazu muss er die religiösen Erfahrungen und Traditionen der Lernenden ernst nehmen. Religionsunterricht wird damit auch zu einer Form von Heimatkunde. Allerdings geht es dabei nicht um reine Sachinformation, sondern um die Wahrnehmung von Erfahrungen, Symbolen, Gesten und Traditionen, die Menschen mit ihrer religiösen Heimat verbinden.

Die Realität des Religionsunterrichts ist heute häufig multichristlich geprägt. Lernende kommen aus unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen. Sie bringen verschiedene Formen christlicher Praxis mit. Der Unterricht sollte diese Vielfalt sichtbar machen und gegenseitiges Lernen ermöglichen. Dabei geht es sowohl um das Gemeinsame als auch um das Fremde.

Der Autor schlägt verschiedene Möglichkeiten vor, religiöse Beheimatung im Unterricht zu fördern. Dazu gehören das Kennenlernen religiöser Rituale wie Glockenläuten, Prozessionen, Kreuzzeichen oder Gebetshaltungen. Auch das Singen von Liedern, das Sprechen des Vaterunsers in verschiedenen Sprachen oder das Kennenlernen von Kirchenräumen und religiösen Gegenständen kann Teil des Unterrichts sein. Ebenso können Friedhöfe besucht, religiöse Bräuche betrachtet oder Geschichten aus der eigenen Gemeinde erzählt werden.

Solche Erfahrungen helfen Lernenden, Religion als Teil ihres alltäglichen Lebens wahrzunehmen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Christen trotz kultureller Unterschiede miteinander verbunden sind. Religiöse Beheimatung kann dadurch zu einer Orientierung im Alltag werden.

Besonders wichtig ist dabei das Erzählen von religiösen Erfahrungen. Wenn Lernende von ihrem eigenen religiösen Leben berichten, entsteht eine gemeinsame Sprachschule des Glaubens. Durch solche Erzählungen werden Erinnerungen geschaffen und Erfahrungen miteinander verbunden. Auch das Neue Testament ist letztlich eine Sammlung solcher Erinnerungen aus verschiedenen Heimatorten der frühen Christen.

Am Ende betont der Autor, dass religiöse Heimat auch emotionale und symbolische Elemente enthält. Religion spricht nicht nur den Verstand an, sondern auch Gefühle, Sehnsüchte und Hoffnungen. In diesem Sinne gehört auch eine gewisse Form von religiösem Kitsch zur Religion, weil religiöse Bilder und Rituale die Sehnsucht nach einem gelingenden Leben ausdrücken. Religiöse Beheimatung kann deshalb als ein Ausdruck menschlicher Hoffnung verstanden werden.

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