Einzelschicksale verdeutlichen das Ausmaß des Leids. Menschen berichten, wie sie ihre Dörfer verlassen mussten, wie ihre Häuser niedergebrannt wurden und sie am Ende ohne Besitz, ohne Sicherheit und ohne Perspektive zurückblieben. Viele leben heute von Almosen. Christen und andere Minderheiten erfahren neben den allgemeinen Kriegsgräueln zusätzliche Diskriminierung, werden von Soldaten verhört, gefoltert und teilweise gezwungen, ihren Glauben aufzugeben. Kirchen und kirchliche Einrichtungen spielen deshalb eine wichtige Rolle: sie begleiten die Flüchtlinge, teilen deren Leben in den Camps und bieten Schutzräume sowie Hilfsgüter an. In Gebieten, die von Rebellen kontrolliert werden, ist die Lage besonders prekär, da internationale Hilfsorganisationen kaum Zugang erhalten und Transporte oft über Umwege durch den Dschungel oder über chinesisches Gebiet organisiert werden müssen.
Das Leben in den Lagern ist von Hoffnungslosigkeit geprägt. Viele Flüchtlinge leben seit Jahren dort und erkennen, dass eine baldige Rückkehr nicht sicher ist. Jugendliche träumen dennoch von einer besseren Zukunft – etwa als Arzt, Krankenschwester oder Ordensschwester – während ihre Eltern sich vor allem Frieden und ein sicheres Zuhause wünschen. Immer wieder wird deutlich, dass der Wunsch nach Frieden das zentrale Anliegen der Menschen ist.
Politisch gab es 2016 Hoffnungsschimmer, als die neue zivile Regierung unter Aung San Suu Kyi eine große Friedenskonferenz einberief, zu der Vertreter fast aller ethnischen Gruppen eingeladen waren. Doch gleichzeitig setzte die Armee ihre Militäroperationen fort. Religiöse und gesellschaftliche Stimmen betonen daher, dass echter Frieden nicht durch Gewalt erzwungen werden kann, sondern nur durch Respekt, Gerechtigkeit und Versöhnung. Langfristig, so wird immer wieder betont, braucht es nicht nur das Ende der bewaffneten Konflikte, sondern auch eine „Saat des Friedens“ in den Herzen der Menschen und in ihren Gemeinschaften.