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Eulenfisch

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Gott präsent machen

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Fachartikel „Gott präsent machen. Katholische Akademiearbeit im Haus am Dom in Resonanz mit globalen und digitalen Kulturen“ von Joachim Valentin ist im Heft ru heute unter diesem Titel enthalten. Der Artikel umfasst etwa 8 Seiten, von Seite 29 bis 36. Der Beitrag zeigt, dass katholische Akademien wichtige kirchliche Orte in einer pluralen, urbanen und digitalen Gesellschaft sind. Theologisch behandelt der Fachartikel vor allem die Fragen, wie Kirche heute öffentlich wirksam sein kann, wie sie Gottes Gegenwart in säkularen Kontexten bezeugt, wie sie mit Pluralität, Migration und gesellschaftlicher Vielfalt umgeht und wie sie auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz reagieren soll.

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Der Artikel setzt bei der Beobachtung an, dass in der Theologie und in der kirchlichen Praxis seit langem die Gemeinde als zentraler Ort christlichen Lebens gilt. Joachim Valentin betont jedoch, dass die moderne Großstadt und die individualisierte Lebensweise vieler Menschen andere Formen kirchlicher Präsenz verlangen. Viele Katholikinnen und Katholiken engagieren sich nicht mehr dauerhaft in Gemeinden, erwarten von Kirche aber weiterhin soziale Verantwortung, Bildung und gesellschaftliche Sichtbarkeit. Vor diesem Hintergrund versteht der Autor katholische Akademien und Einrichtungen der Erwachsenenbildung als wichtige Kirchorte außerhalb der klassischen Gemeindestrukturen.

Valentin begründet dies theologisch mit dem pastoralen Auftrag der Kirche, Gott in der Welt präsent zu machen und die menschliche Gesellschaft auf das Reich Gottes hin mitzugestalten. Gerade in pluralen Lebenswelten dürfe Kirche sich nicht allein auf Territorialgemeinden konzentrieren, sondern müsse auch Klöster, Schulen, Krankenhäuser, Jugendkirchen, Akademien und Bildungswerke als eigenständige Orte kirchlichen Handelns ernst nehmen. Akademiearbeit erscheint in dieser Perspektive nicht als Randbereich, sondern als echter Teil kirchlicher Sendung.

Ausgehend vom Frankfurter Haus am Dom beschreibt der Autor Akademiearbeit als kulturelle Diakonie. Damit meint er eine Form kirchlichen Handelns, die sich in den Dienst der Gesellschaft stellt, öffentliche Debatten aufgreift und Glauben in kulturellen, politischen und wissenschaftlichen Zusammenhängen zur Sprache bringt. Akademien wirken nach außen und wenden sich oft an Menschen, die sich nicht unmittelbar als kirchlich verstehen, der Kirche aber dennoch eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zugestehen. In diesem Sinn sind sie missionarisch, ohne aufdringlich zu sein.

Der Autor stützt seine Überlegungen auf Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf Franz Kamphaus, Papst Franziskus und Benedikt XVI. Besonders wichtig ist ihm die Einsicht, dass die Stadt heute ein multikultureller und multireligiöser Raum ist, in dem unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander bestehen. Kirche darf sich daher nicht abschotten, sondern muss dialogfähig werden und sich in diese komplexen kulturellen Prozesse einbringen. Akademien können dabei helfen, weil sie Orte des Gesprächs, der Reflexion und der Begegnung sind.

Ein zentrales Anliegen des Textes ist die Kritik an kirchlicher Selbstbeschäftigung. Erwachsenenbildung und Akademiearbeit sind für den Autor wichtige Mittel dagegen, weil sie nicht nur kirchliche Binnenfragen behandeln, sondern die gesamte Lebenswirklichkeit erwachsener Menschen in den Blick nehmen. Menschen sollen nicht zu bloßen Empfängern kirchlicher Lehrsätze gemacht werden. Vielmehr brauchen sie Lern und Gesprächsformen, die an ihre Erfahrungen in Familie, Beruf und Gesellschaft anknüpfen. Bildungswerke und Akademien ergänzen sich dabei. Bildungswerke arbeiten stärker lokal, langfristig und lebensbegleitend, während Akademien stärker öffentlich, fachlich spezialisiert und an gesellschaftlichen Debatten orientiert sind.

Valentin beschreibt Akademien als Orte öffentlicher Debatte, christlicher Bildung und kultureller Orientierung. Sie bringen Themen aus Kirche, Religion, Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur zusammen. Dabei erreichen sie besonders jene bildungsnahen Milieus, die für gesellschaftliche Entwicklungen prägend sind, deren Bindung an die Kirche aber schwächer geworden ist. Gerade in Großstädten seien diese Gruppen wichtig, weil sie als gesellschaftliche Trendsetter auftreten. Akademien können diesen Menschen eine Form kirchlicher Beheimatung bieten, die anders ist als das gemeindliche Leben.

Zugleich hebt der Autor hervor, dass Akademien nicht nur öffentliche Großveranstaltungen anbieten, sondern auch geschützte Gesprächsräume für Menschen in verantwortlichen Berufen schaffen. Unternehmer, Journalistinnen, Politiker, Juristinnen oder Mediziner können dort ethische Fragen ihres Arbeitsfeldes reflektieren. Solche Räume gewinnen an Bedeutung, weil sie Orientierung in einer von Unsicherheit, Beschleunigung und Polarisierung geprägten Gesellschaft ermöglichen. Dazu gehören inzwischen auch spirituelle und liturgische Angebote, die an Akademietagungen anschließen und zeigen, dass auch Akademien vollwertige Kirchorte sind.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Frage, welche Zielgruppen kirchliche Akademien bisher zu wenig erreichen. Der Autor nennt insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte, deren religiöse und kulturelle Perspektiven in Akademieprogrammen oft zu wenig vorkommen. Damit verfehlen Akademien sowohl die tatsächliche Pluralität der Kirche als auch die gesellschaftliche Vielfalt. Migration und Weltkirche erscheinen deshalb als zentrale Herausforderungen für kirchliche Bildungsarbeit. Kirche müsse sich klar für Pluralität positionieren und an der Gestaltung eines neuen gesellschaftlichen Wir mitwirken.

Außerdem analysiert Valentin gesellschaftliche Stimmungen wie Angst, Empörung, Resignation und Fatalismus. Er betont, dass kirchliche Bildungsarbeit nicht nur rationale Diskurse führen darf, sondern auch diese tieferen kulturellen und emotionalen Dynamiken wahrnehmen muss. Akademien sollen gesellschaftliche Entwicklungen früh erkennen und deuten, weil sie eine Art kirchliches Labor für Zukunftsfragen sein können.

Ein umfangreicher Teil des Artikels widmet sich der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz. Der Autor beschreibt, dass digitale Medien die Kommunikationsformen der Gegenwart tiefgreifend verändert haben und dass Akademien darauf bereits reagieren. Die Digitalität stellt neue Fragen nach Mensch, Gott und Kirche. Dabei geht es um die Stellung des Menschen in digitalen Systemen, um Identität und Gemeinschaft im Netz sowie um die Faszination von Technik, Daten und künstlicher Intelligenz. Valentin erkennt an, dass Menschsein heute selbstverständlich auch digital gelebt wird. Zugleich warnt er vor Illusionen von Allmacht und Unsterblichkeit, wie sie im Umfeld von Künstlicher Intelligenz und Transhumanismus sichtbar werden.

Theologisch hält er daran fest, dass weder Gott noch der Mensch in Technik aufgehen. Gerade angesichts digitaler Entwicklungen müsse Kirche an die Grenzen des Machbaren erinnern und Haltungen wie Verwundbarkeit, Sterblichkeit, Gelassenheit und Offenheit für das Geheimnis stark machen. Darin sieht er einen entscheidenden Beitrag christlicher Theologie in der Gegenwart.

Insgesamt versteht der Artikel katholische Akademiearbeit als unverzichtbaren Teil kirchlicher Pastoral. Akademien sind Orte des Dialogs, der Bildung, der kulturellen Diakonie und der missionarischen Präsenz in einer pluralen Gesellschaft. Sie sollen Menschen in ihren konkreten Lebenswelten ernst nehmen, intellektuell anspruchsvolle und biographisch passende Antworten anbieten und Kirche in gesellschaftlichen und digitalen Transformationsprozessen sichtbar und gesprächsfähig halten.

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