In der ersten Rede wird die christliche Fundierung der Gesellschaft zur Zeit der Erstellung der Verfassung dargestellt. Es wird festgestellt, dass dies sich geändert hat und das folgerichtig alle Gottesbezüge zu streichen sind. Die Linke spendet reichlich Beifall.
Die CDU als christliche Partei hingegen verteidigt den Gesetzestext. Er sei durch Volksbegehren in den neuen Bundesländern in die Landesverfassungen geschrieben worden. Der Begriff Ehrfurcht steht für Toleranz und nicht für den Zwang zu glauben. Der Bezug zu Gott thematisiert zudem das eigene Gewissen. Neutralität des Staates sei ein Denkfehler, da die Feste aller Religionen geachtet und berücksichtigt werden müssen.
Die SPD thematisiert die Einigkeit der monotheistischen Religionen in der unterschiedlichen Anbetung desselben einen einzigen Gottes. Somit spricht der Verfassungstext auch Juden und Muslime an, nicht nur Christen. Zudem ist der antifaschistische Hintergrund der Erstellung der Verfassung auch heute noch aktuell. Es ist notwendig, in der Erziehung einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Diese können dann tolerant gelabt und verglichen werden. Nihilismus hingegen ist gerade in der Erziehung zur Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung nicht zu tolerieren. Wer nicht lernt, eigene Entscheidungen zu treffen, kann kein Bürger eines demokratischen Staates sein. Der Staat ist auch entscheidungsfähige Bürger angewiesen.
Die Grünen behandeln den Begriff Ehrfurcht als nicht mit einem Missionsauftrag verbunden. Der geschichtliche Bezug macht es notwendig, ein Element in die Verfassung einzubauen, das von Menschen nicht abänderbar ist. Gerade der Faschismus nutzte clevere juristische Kniffe, um legal schwer anfechtbar die Demokratie zu beenden. Der Bezug auf das persönliche Gewissen gegenüber Gott soll einen solchen Vorgang bekämpfen. Die Toleranz und der staatsbürgerliche Zusammenhalt, der durch die Liebe zu Volk und Staat beschrieben wird, hat ebenso einen hohen Wert.
Die FDP begründet die Beibehaltung des Wortlautes mit der Religionsfreiheit. Eben diese wird durch den Text nicht geleugnet, sondern unterstützt. Ehrfurcht vor Gott bedingt Ehrfurcht vor allen Formen von ihn verehrenden Religionen. Gerade diese Freiheit zu glauben und Werte von Religionen zu schützen ist auch ein Bollwerk gegen Totalitarismus und Faschismus.
Die damalige Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW stellt die Unterstützung der Demokratie durch die Kirchen nicht zuletzt in der friedlichen Revolution n der DDR heraus. Der Gottesbezug stärkt somit die Demokratie, anstatt sie zu schwächen. Die Ehrfurcht vor Gott zwingt niemanden zum Glauben. Somit werden auch Atheisten nicht in ihren Rechten eingeschränkt. Keine Ehrfurcht hingegen öffnet Unterdrückung und Geringschätzung der Religionsfreiheit Tür und Tor. Das Wort Liebe wird heute nicht mehr gebraucht. Vielleicht ist dies auch ein Symptom für gesellschaftlichen Zerfall, wenn Menschen ohne familiäre Beziehung einander nicht mehr in Liebe zugetan sein können. Wer den anderen liebt, kann ihm nicht wissentlich schaden.
Solche Grundvoraussetzungen einer funktionierenden Gesellschaft liegen außerhalb der Regelbarkeit durch Gesetze: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Ein Gemeinsinn einer Gesellschaft aus Individuen ist notwendig für deren Erhalt.