Das Material nähert sich dem Abendmahl in drei aufeinander aufbauenden Schritten: Zunächst steht eine emotionale und ästhetische Annäherung im Zentrum – etwa über literarische Texte wie Rainer Maria Rilkes Gedicht, das persönliche Erfahrungen mit Gemeinschaft, Schuld oder Trost aufnimmt und eine existentielle Öffnung ermöglicht. Die zweite Einheit beleuchtet die theologische Botschaft des Abendmahls: Schuld, Vergebung, Gemeinschaft mit Christus und Hoffnung. Dabei wird das Abendmahl nicht als intellektuell vollständig fassbares Geschehen dargestellt, sondern als mysterium tremendum et fascinosum – ein heiliges Geschehen, das sich der rationalen Durchdringung entzieht, aber im gläubigen Vollzug seine Wirkung entfaltet. Die dritte Einheit ergänzt dieses Verständnis durch historische und konfessionelle Perspektiven, insbesondere durch einen Exkurs zur Reformation und den dort entstandenen Differenzen im Abendmahlsverständnis.
Zentrale Symbole wie das letzte Abendmahl in der Darstellung von Leonardo da Vinci oder die bildkräftige Interpretation von Sieger Köder bieten einen visuellen Zugang zum Thema und laden zur Deutung ein. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dabei mit der Frage auseinander, wie das Abendmahl damals wie heute verstanden und gefeiert wird – nicht als traurige Erinnerung an Jesu Tod, sondern als Fest der Vergebung, der Hoffnung und der Erneuerung.
Ziel des Moduls ist es, neben dem Erwerb theologischer Grundkenntnisse auch religiöse Wahrnehmungsfähigkeit und Toleranz zu fördern. Die Lernenden sollen erkennen, dass das Abendmahl in seiner Tiefe und Bedeutung nicht zwingend vollständig rational erklärbar sein muss, um als ernstzunehmender Ausdruck christlichen Glaubens gewürdigt zu werden. Optional kann ein gemeinsamer Besuch eines Abendmahlsgottesdienstes das Thema erfahrungsbezogen abrunden und vertiefen.