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Die Rache des Gescheiterten

Veröffentlichung:9.7.2025

Der Artikel „Die Rache des Gescheiterten“ aus fluter Nr. 75 (Thema: Terror) ist ein eindrückliches Interview mit der norwegischen Journalistin Åsne Seierstad, die über den Anschlag von Anders Breivik am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya berichtet. Der rechtsextremistische Terrorist tötete 77 Menschen, davon 69 Jugendliche bei einem Sommerlager.

Breivik war kein Fremder, sondern wuchs im gleichen Viertel auf wie Seierstad – „einer von uns“, wie sie ihr Buch über ihn nannte. Der Text analysiert die persönlichen, gesellschaftlichen und ideologischen Hintergründe der Tat: Breiviks Kindheit war geprägt von Zurückweisung, Einsamkeit und narzisstischer Kränkung. In seinem Hass auf Muslime, Linke und Frauen radikalisierte er sich online. Seine Tat sollte ein Manifest setzen – ein Modell, dem spätere Attentäter wie in München oder Christchurch folgten.

Seierstad diskutiert offen über die psychologischen und gesellschaftlichen Mechanismen hinter der Gewalt – ohne zu relativieren. Sie kritisiert dabei auch Medien und Politik, benennt Versäumnisse, aber auch Erfolge in der norwegischen Aufarbeitung. Als Antwort auf den Terror sieht sie nicht Abschottung oder Rache, sondern mehr Menschlichkeit, Bildung und eine offene, gerechte Gesellschaft – besonders für junge Menschen.

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Implikationen für den Religionsunterricht:
Der Artikel ermöglicht eine ethisch-politische Auseinandersetzung mit dem Thema Terrorismus, aber auch mit tieferliegenden sozialen und psychologischen Ursachen wie Ausgrenzung, Einsamkeit, Männlichkeitsbildern und extremistischen Ideologien.

Besonders relevant ist der Perspektivwechsel: Der Täter kam „aus der Mitte“ – er war kein Fremder. Hier kann im Unterricht gefragt werden: Was macht Menschen anfällig für Hass? Wie erkennen wir Frühzeichen? Und: Wie kann Gemeinschaft gelingen, die niemanden zurücklässt?

Religionspädagogisch lässt sich auch der Missbrauch von Moral und religiöser Rhetorik durch Täter diskutieren, die sich als „Retter der Gesellschaft“ inszenieren. Dies lädt zur kritischen Reflexion über den Unterschied zwischen echter Moral und ideologischer Selbstermächtigung ein.

Das norwegische Beispiel zeigt auch, wie eine demokratische und offene Gesellschaft auf Terror reagieren kann – mit Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und mehr Toleranz statt Angst. Eine zentrale Frage für den Religionsunterricht: Was heißt Versöhnung im Angesicht des Bösen? Und: Wie bleibt die Würde der Opfer im Mittelpunkt?

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