Der Artikel „Die Rache des Gescheiterten“ aus fluter Nr. 75 (Thema: Terror) ist ein eindrückliches Interview mit der norwegischen Journalistin Åsne Seierstad, die über den Anschlag von Anders Breivik am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya berichtet. Der rechtsextremistische Terrorist tötete 77 Menschen, davon 69 Jugendliche bei einem Sommerlager.
Breivik war kein Fremder, sondern wuchs im gleichen Viertel auf wie Seierstad – „einer von uns“, wie sie ihr Buch über ihn nannte. Der Text analysiert die persönlichen, gesellschaftlichen und ideologischen Hintergründe der Tat: Breiviks Kindheit war geprägt von Zurückweisung, Einsamkeit und narzisstischer Kränkung. In seinem Hass auf Muslime, Linke und Frauen radikalisierte er sich online. Seine Tat sollte ein Manifest setzen – ein Modell, dem spätere Attentäter wie in München oder Christchurch folgten.
Seierstad diskutiert offen über die psychologischen und gesellschaftlichen Mechanismen hinter der Gewalt – ohne zu relativieren. Sie kritisiert dabei auch Medien und Politik, benennt Versäumnisse, aber auch Erfolge in der norwegischen Aufarbeitung. Als Antwort auf den Terror sieht sie nicht Abschottung oder Rache, sondern mehr Menschlichkeit, Bildung und eine offene, gerechte Gesellschaft – besonders für junge Menschen.