Die Schülerinnen und Schüler werden eingeladen, die oft abstrakt erscheinende Vorstellung der „Gegenwart Christi“ in nachvollziehbare Lebensbezüge zu übersetzen. Dabei geht es nicht um starre Lehrsätze, sondern um erlebbare, reflektierbare Glaubenswirklichkeit: im Sakrament des Abendmahls (und den damit verbundenen Kontroversen), im Alltag gelebter Nachfolge, und in der wirkmächtigen Kraft des biblischen Wortes – nicht zuletzt, wie es etwa durch Rudolf Bultmanns „Wort“-Theologie gedeutet wird.
Das Modul ermutigt dazu, die persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben ernst zu nehmen. Die dialogisch gestaltete Szene zwischen zwei Studierenden (KV 2) bietet niedrigschwellige Identifikationsmöglichkeiten und zeigt, wie Christsein heute Orientierung geben kann – nicht als fertige Lösung, sondern als Herausforderung zum Nachdenken und Handeln. Gleichzeitig führt das Modul mit anspruchsvolleren Texten (z. B. Bultmann, griechischer Nestle-Text, Reformationsbezug) in theologische Tiefe und hermeneutische Klärung, ohne dabei überfordernd zu wirken. Die Schüler*innen werden auf diese Weise befähigt, sowohl emotionale als auch rationale Zugänge zu ihrer religiösen Identität zu entwickeln.
Aktuelle kirchliche Themen wie die innerkirchlichen Debatten um das Abendmahl, der Umgang mit Wiederverheirateten (im Kontext von Amoris laetitia) oder die Frage nach Reformierbarkeit und Glaubwürdigkeit der Kirche bilden den gesellschaftlichen Resonanzboden für die behandelten Inhalte. Dadurch gelingt es dem Modul, die oft als fern erlebten Themen des Glaubens an die Lebenswirklichkeit der Schüler*innen heranzuführen.
Ziel ist es, ein reflektiertes Glaubensverständnis zu ermöglichen, das weder in plakativer Frömmigkeit noch in abstrakter Religionskritik stecken bleibt. Vielmehr wird den Jugendlichen ein Weg eröffnet, christliche Glaubensüberzeugungen als Ausdruck einer persönlichen und spirituellen Orientierung zu begreifen – in Verbindung mit der biblischen Botschaft, kirchlichen Praxis und eigenen Lebensfragen.