Im Zentrum steht die Frage: Wer steht in unserer Gesellschaft „in der Mitte“ – und wer bleibt am Rand? Jede:r Schüler:in erhält eine Rollenkarte, etwa als Asylbewerber:in, alleinerziehendes Kind, Rollstuhlfahrer:in oder Schulsprecher:in. Nach dem Prinzip des sogenannten „Privilege Walks“ schreiten die Teilnehmenden bei vorgelesenen Alltagssituationen (z. B. Disco-Besuch, Arzttermin, Wohnungssuche) auf die Mitte des Raums zu – wenn sie glauben, dass ihre Rolle privilegiert genug ist, um die Situation erfolgreich zu meistern. Am Ende entsteht ein klares Bild davon, wer sich „in der Mitte“ der Gesellschaft bewegt – und wer außen vor bleibt.
In der anschließenden Reflexion setzen sich die Schüler:innen mit ihren Gefühlen und Beobachtungen auseinander: Welche Rollen waren sichtbar privilegiert? Welche Rollen blieben häufig zurück? Was sagt das über die Verteilung von Chancen und Ressourcen in unserer Gesellschaft aus? Die Klasse formuliert gemeinsam zentrale Erkenntnisse und diskutiert, welche gesellschaftlichen Faktoren bestimmte Gruppen benachteiligen – und was das für das soziale Miteinander bedeutet.
Für den katholischen Religionsunterricht bietet dieser Impuls einen direkten Zugang zu den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre: insbesondere der Menschenwürde, der Gerechtigkeit, der Solidarität sowie der Option für die Armen und Benachteiligten. Der Impuls stärkt die Wahrnehmung für soziale Ungleichheit und regt zur ethischen Urteilsbildung an. Er macht komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge erfahrbar und eröffnet die Diskussion über Verantwortung, Teilhabe und Inklusion – zentrale Themen des christlichen Menschenbildes.
Dank seiner Offenheit und der hohen Beteiligung der Lernenden eignet sich der Impuls auch für fächerverbindenden Unterricht (z. B. mit Gemeinschaftskunde oder Ethik) sowie für Projektarbeit und thematische Vertiefung, z. B. zu Migration, Diversität oder sozialem Engagement.