In der vorletzten Folge habe ich versucht, einen kurzen Überblick über die Theorien zum historischen Jesus zu bieten, die in der Vergangenheit konstruiert worden sind. Gemein ist allen die Skepsis gegenüber den Evangelien und viele behaupten, die Texte seien zu spät entstanden, als dass sie geschichtlich zuverlässig wären. Über weite Strecken ist diese Skepsis eine rein ideologische Entscheidung ohne echte Grundlage. Das heißt man hat die späte Entstehung der Evangelien einfach behauptet, damit man genug Zeit zwischen Jesus und den Evangelien hatte, um die eigene Theorie irgendwie hineinzubasteln. Die letzte Folge konnte hier schon etwas Klarheit bringen. Denn die Forschung hat durch den Fund zahlreicher Papyri in den letzten 150 Jahren das Zeitfenster enger begrenzt und manche These damit vor grobe Probleme gestellt. Konnte man im 19. Jahrhundert noch vollmundig behaupten das Johannesevangelium sei frühestens Ende des 2. Jahrhunderts entstanden, besitzen wir heute Papyri wie P52 - ein Fragment des Johannes-Evangeliums, das üblicherweise auf die Jahre 125 bis 175 datiert wird. Dennoch gibt es alte Theorien, die sich gehalten haben. Eine davon stützt sich auf die Formkritik. Die Formkritik ist ein Werkzeug der sogenannten historisch-kritischen Methode. In der Formkritik untersucht man – absolut sinnvoller Weise - zu welcher Art – zu welcher Gattung – ein bestimmter Text gehört. Handelt es sich um einen historischen Text, ist es ein poetischer Text, reden wir von Hymnen oder einem Brief.... usw