Wenn die Evangelien nicht anonym verfasst wurden, wie wir in der letzten Folge gesagt haben, liegt es nahe bei der Autorenschaft dort zu beginnen, wo man eigentlich bei jedem Schriftwerk beginnen würde: nämlich beim Text selbst. Welche Angaben finden wir hier? Wir habe die sogenannten „Titel“ der Evangelien: Evangelium nach Matthäus, Evangelium nach Markus, Evangelium nach Lukas und Evangelium nach Johannes. Verschiedene Kritiker haben darauf hingewiesen, dass sich die Formulierung der Titel in den Manuskripten unterscheiden kann. In manchen Manuskripten steht „evangelion kata ioannen“, bei anderen wird „evangelion“ weggelassen – da steht dann nur kata ioannen. So behaupten einige, dass die Titel und damit die Autoren wegen diesen Varianten nicht ursprünglich sein könnten. Sie müssten eine spätere Zuschreibung sein. Das allerdings widerspricht jeder Regel der Textkritik. Denn gerade was die Namen(!) der Autoren betrifft gibt es eben keine Variation. Mag es sich bei der Formulierung „evangelion“ um einen Zusatz bzw eine Kürzung handeln – für die Attribution selbst triff dies nicht zu. Und genau um die geht es hier.