Didaktisch lässt sich das Medium im katholischen Religionsunterricht als dichte Fallstudie zu „Prophetie“, Gewissen, Kirche in der Welt und christlicher Friedensethik einsetzen. Inhaltlich bietet es mehrere Zugänge: (1) Biografisches Lernen: An Romero wird sichtbar, wie sich Haltung durch konkrete Erfahrungen, Beziehung und Leid verändern kann („vom Beobachter zum Betroffenen“). (2) Ethische Urteilsbildung: Das Medium stellt die Spannung von Ordnung und Gerechtigkeit, Loyalität und Widerstand, Pazifismus und politischer Wirksamkeit heraus. (3) Theologisches Lernen: Romero kann als Beispiel für ein Glaubenszeugnis verstanden werden, in dem Einsatz für Menschenwürde und Option für die Armen kein „Zusatz“ zur Frömmigkeit ist, sondern Ausdruck des Evangeliums. Methodisch bewährt sich ein Dreischritt: Zuerst Hör-/Leseauftrag mit Leitfragen (Was ändert Romero? Warum? Welche Mittel nutzt er? Welche Risiken nimmt er in Kauf?). Dann eine strukturierte Analyse in Gruppen, z. B. als „Stationenlernen“: Kontext El Salvador / Auslöser Rutilio Grande / Radio-Predigten als Öffentlichkeit / Gewaltfreiheit als „dritter Weg“ / Gewissen vs. Befehl / Martyrium und Vermächtnis. Jede Station erstellt ein Kurzplakat mit: Kernaussage – Beleg aus dem Medium – Bedeutung für heute. Anschließend folgt die Urteilsphase als Dilemma-Diskussion: „Darf/soll ein Bischof so politisch sprechen?“ oder „Wann ist Gehorsam Unrecht?“ Hier kann ein Argumentationsraster helfen (Werte – Betroffene – Handlungsoptionen – Folgen – Gewissensentscheidung). Besonders fruchtbar ist ein Rollengespräch bzw. Fishbowl: Soldat, Bäuerin, Regierungsvertreter, Guerilla-Sympathisant, Romero, Journalist:in; so werden Perspektivenkonflikte nachvollziehbar, ohne Gewalt zu romantisieren. Als spirituell-reflexiver Abschluss eignet sich ein „Mut-Protokoll“: Lernende formulieren konkret, wofür sie im Schulalltag einstehen könnten (Mobbing, Ausgrenzung, Hate Speech), welche Kosten das haben kann und welche Unterstützung (Freund:innen, Klasse, Regeln) nötig wäre. Optional kann ein kurzer biblischer Resonanzraum eröffnet werden (Prophetenkritik am Unrecht; Seligpreisungen; „Fürchtet euch nicht“), um Romeros Handeln in ein christliches Deutungsspektrum von Gewissen, Wahrheit und Frieden zu stellen. Wichtig ist dabei eine klare didaktische Balance: Romero als Heiliger ist nicht „unkritisch zu verehren“, sondern als herausforderndes Vorbild zu erschließen—mit der Frage, wie christliche Gewaltfreiheit praktisch aussehen kann, wenn Gewaltstrukturen real sind.