Es ist eine häufige Annahme, in den Evangelien eine gewisse Progression – einen Fortschritt – zu sehen. Zwischen dem ersten – Markus – und dem letzten – Johannes - liegen einige Jahrzehnte und glaubt man dieser althergebrachten Meinung hat sich in jener Zeit der Glaube der Kirche stark entwickelt – ja mehr noch, er entstand erst so richtig, vor allem was die Figur Jesu betraf. Aus dem jüdischen Wanderrabbi sei mehr und mehr der Gottessohn geworden.
Eine oberflächliche Lektüre der Evangelien scheint dieser These recht zu geben. Die Aussagen über die Gottheit Jesu im Johannesevangelium sind nicht zu übersehen. Allein schon der Prolog vom Fleischgewordenen göttlichen Wort hat wenig mit die Vorstellung eines bloß weisen Lehrers gemein. In den ersten drei Evangelien hingegen wird Jesus zwar keinesfalls als gewöhnlicher Mensch hingestellt, aber die großen Ansprüche, er sei ein präexistentes, göttliches Wesen scheinen zu fehlen.