Der Artikel entfaltet eine theologisch weite Schöpfungsperspektive: Nachhaltigkeit ist mehr als Ökologie; sie umfasst die gesamte Mitwelt des Menschen – sozial, politisch, ökonomisch und ökologisch. Diese Weite spiegelt sich in den 17 SDGs, die von Armutsbekämpfung über Bildung und Gesundheit bis zu Klimaschutz und Frieden reichen. Der Autor knüpft an biblische Traditionen an (Schöpfungsmythen, Deuterojesaja, konziliarer Prozess „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“) und schlägt vor, diese mit Psalm 104 als poetischem Schöpfungslob ins Gespräch zu bringen.
Didaktisch zentral ist das produktive Schreiben: In Kleingruppen wählen die Jugendlichen jeweils ein SDG und recherchieren Beispiele gelingender Umsetzung (lokal oder global). Diese werden bewusst als poetischer Lobtext formuliert, in kurzen, positiven Sätzen, die Gelungenes pointieren. So wird eine Haltung des Dankens und Hoffens eingeübt, ohne Probleme zu leugnen. In einem zweiten Schritt werden die Texte adressiert (z. B. an politisch Handelnde, an Initiativen, oder an Gott). Gerade die probeweise Gottesadressierung eröffnet theologische Gespräche: Was bedeutet es, Gott für menschliche Errungenschaften zu danken? Wie gehen wir mit Ambivalenzen um (z. B. Krankheit/Heilung)? In der Konfi-Arbeit kann die Regel gelten, Gott als Adressaten des Lobs beizubehalten; im schulischen Kontext empfiehlt sich, zwei Versionen zu erstellen (mit/ohne Gottesadressierung), um weltanschauliche Pluralität zu berücksichtigen.
Anschließend wird Psalm 104 gemeinsam gelesen, nicht primär analytisch, sondern intuitiv-rezeptiv. Die Jugendlichen suchen Verse, die zu „ihrem“ SDG passen (z. B. zu SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ Verse über Lebensatem, Nahrung, Rhythmus von Tag und Nacht). So wird erfahrbar, dass biblische Schöpfungslob-Tradition Resonanzräume für heutige Nachhaltigkeitsfragen eröffnet. Die eigenen SDG-Texte werden mit ausgewählten Psalmversen ergänzt und zu einem gemeinsamen „SDG-Psalm“ in der Reihenfolge der 17 Ziele zusammengefügt, mit Einleitung und Schluss in Anlehnung an Psalm 104.
Religionspädagogisch verbindet das Verfahren biblische Textarbeit, theologische Reflexion, ethische Urteilsbildung und kreative Gestaltung. Es stärkt Sprachfähigkeit im Modus des Lobs (statt nur Problembeschreibung), fördert Teamarbeit und Medienkompetenz (Recherche) und eröffnet Dialogräume zwischen Glauben und globaler Verantwortung. Nachhaltigkeit wird so nicht moralisierend, sondern schöpfungstheologisch und poetisch erschlossen.