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Deutschlandfunk

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Michelangelos Pietà - „Wie ein lebendig Bild in hartem Fels“

Rilkes Blick auf Gott

Veröffentlichung:15.1.2026

Der Beitrag aus der Deutschlandfunk-Reihe „Aus Religion und Gesellschaft“ erschließt ein zentrales Kunstwerk der christlichen Tradition und zeigt, wie religiöse Bildsprache Leid, Trost und Hoffnung zugleich zum Ausdruck bringen kann.

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Der Audio-Beitrag „Michelangelos Pietà – ‚Wie ein lebendig Bild in hartem Fels‘“ von Astrid Nettling widmet sich der berühmten Skulptur der Pietà von Michelangelo Buonarroti, die sich im Petersdom befindet. Der Beitrag erläutert, wie Michelangelo das traditionelle Motiv der trauernden Maria mit dem toten Jesus grundlegend neu interpretiert. Anders als in vielen mittelalterlichen Darstellungen steht nicht der Schmerz im Vordergrund, sondern eine stille, fast gelassene Würde. Maria erscheint jung, gefasst und innerlich gesammelt; ihr Gesicht zeigt keine verzerrte Klage, sondern eine ruhige Traurigkeit, die das Leid nicht leugnet, sondern verwandelt. Der Beitrag macht deutlich, dass Michelangelo durch die idealisierte Schönheit des Körpers, die harmonischen Proportionen und die glatte Oberfläche des Marmors das Grauen des Todes nicht dramatisiert, sondern besänftigt. Leid wird nicht negiert, aber ästhetisch gehalten und in eine Form gebracht, die Betrachtenden Trost und Distanz zugleich ermöglicht. Die Pietà wird so zu einer theologischen Aussage in Stein: Der Tod Jesu ist real, aber nicht das letzte Wort. Schönheit wird zum Medium von Hoffnung und verweist auf eine göttliche Ordnung, die das Leid nicht zerstört, sondern übersteigt.


Methodisch-didaktisch eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe I (ab Klasse 8) und die Sekundarstufe II, da es Kunstgeschichte, Theologie und existenzielle Fragen miteinander verbindet. Für den Religionsunterricht bietet sich eine bildorientierte Erschließung an, bei der zunächst eine genaue Beschreibung der Skulptur erfolgt: Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Beziehung zwischen Maria und Jesus, Material und Wirkung. Darauf aufbauend kann die Deutung vertieft werden, indem gefragt wird, wie Leid dargestellt wird und welche theologischen Aussagen darin sichtbar werden. Religionspädagogisch eröffnet der Beitrag wichtige Lernchancen im Umgang mit Themen wie Tod, Trauer, Mit-Leiden und Hoffnung. Die Pietà kann als Ausgangspunkt dienen, um über unterschiedliche Weisen des Trauerns zu sprechen und zu reflektieren, wie Religion hilft, Leid auszuhalten und zu deuten. Im Vergleich mit anderen Pietà-Darstellungen oder mit biblischen Passionstexten wird deutlich, dass religiöse Wahrheit nicht nur sprachlich, sondern auch künstlerisch vermittelt wird. Der Beitrag unterstützt damit eine ästhetisch sensible Religionsdidaktik, die Wahrnehmung, Deutung und persönliche Resonanz gleichermaßen ernst nimmt.

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